2. Die verhetzte Gesellschaft

Verhetzung

die Toleranz

Die verhetzte Gesellschaft – oder: Metternich lebt!  

“Wir müssen über ihre Webseite reden” - so aufgefordert betrat ich mit vorgeschriebener Maske den für mich zuständigen Polizeiposten und wurde von einem jungen, sympathischen Exekutivbeamten begrüßt und befragt: Welche politische Meinung ich vertrete, ob ich an Politik interessiert sei, was ich meinte, als ich einmal “gleich und gleich gesellt sich gerne” geschrieben habe, meine Webseite hätte gewisse Tendenzen etc. waren seine vorgegebenen Fragen. Nicht gefragt wurde ich, und das meine ich ist entscheidend: sind die Inhalte verifiziert, sind die Fakten den Tatsachen entsprechend? Jetzt werden sie, geneigter Leser, es nicht glauben, an was ich bei diesem Verhör gedacht habe – an die erste 25.- Schillingmünze (1), die mir meine Eltern geschenkt haben! Das Thema darauf war die Neueröffnung der Wiener Staatsoper im Jahre 1955 - “Fidelio” (2) stand auf dem Programm und Österreich jubelte! Die fremden Truppen verlassen Österreich, keine Gestapo, keine Willkür mehr - Österreich ist endlich frei! Nun scheint im Jahre 2021 all diese damalige Freude vergessen, denn ich bin Beschuldigter wegen “Verhetzung” (3) - was immer ich also als freier, unbescholtener österreichischer Staatsbürger irgendwo einmal geschrieben habe, wird von Gesinnungsschnüfflern auf politische Korrektheit genauestens überprüft und kann bis zu zwei Jahren Gefängnis bedeuten. Florestan (4) ist wieder mit Gefängnis bedroht, auch Nestroy wird wieder von den metternichschen Schärgen (5) bedrängt und es gibt keine Freiheit in Krähwinkel (6). Ja man könnte lange über Freiheit des Wortes philosophieren, ist das doch ein Menschenrecht (7), was bleibt ist vielleicht Gedankenfreiheit? Die Revolte von 1848 ist gescheitert, auch wenn das ewig schöne Lied “Die Gedanken sind frei” (8) so manchmal noch verwegen erklingt. Ob der nette Polizist sich wohl bei seiner Berufswahl gedacht hat, dass er einmal die Gesinnung eines österreichischen Staatsbürgers erschnüffeln muß? Nun – solange mit Steuergeld solche Aktionen finanziert werden, geht es uns wirklich gut, oder ist das eine Ablenkung um noch die letzten kritisch denkenden Bürger zum Schweigen zu bringen? Die veröffentlichte Meinung soll ohne Widerspruch zur allgemein gültigen Einheitsmeinung werden – ohne wenn und aber! Politische Schauprozesse sollen einschüchtern und die letzten Denker zur “digitalen Demenz” (9) bekehren. “1984” (10) ist längst Realität und “Big Brother” macht doch alle glücklich - Orwell und Huxley (11) wussten was kommen wird und wie heißt es in einem Operettenlied so schön? “Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist...” (12) In diesem Sinne. Es lebe das neue Biedermeier (13) im "Land of the Blind" (14)!

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