War der Überfall auf die Sowjetunion nur eine Notwehr gegen Stalins Angriffsplan?

stalin

Dieses Buch ist eine wirkliche Sensation! Da bisher die Vertreter der Präventivschlagthese vor allem Deutsche (Prof. Werner Maser, Dr. Joachim Hoffmann, Dr. Walter Post, Dr. Heinz Magenheimer) und mit Viktor Suworow ein zu Sowjetzeiten in den Westen übergelaufener Russe waren, könnte man bei den Deutschen das Motiv unterstellen, die Schuld des Deutschen Reiches kleinreden zu wollen und bei Suworow den Drang nach "Abrechnung" mit dem verhaßten Sowjetsystem. Jetzt aber melden sich gleich neun Historiker russischer Sprache zu Wort, um die zentrale These Suworows zu unterstützen: "Es ist wahr, Stalin plante im Sommer 1941 einen Angriffskrieg gegen den Westen, in dessen Verlauf er zunächst ganz Europa besetzen wollte, um von dieser Bastion aus die Weltrevolution durchzusetzen." In Rußland findet im Gegensatz zu Deutschland ein freier wissenschaftlicher Dialog zu diesem Thema statt, und was bei uns als Außenseitermeinung diskriminiert wird, hat sich in der russischen Historikerzunft längst durchgesetzt. Die Herausgeber haben für dieses Buch neun Beiträge ausgewählt, die unzählige im Westen bisher unbekannte Fakten enthalten; denn in den neunziger Jahren gab es einen ungehinderten Zugang zu russischen Politik- und Militärarchiven, der von den Autoren dieses Sammelbandes genutzt wurde.

krieg

Das Buch von Gerd Schulze-Rhonhof rollt die Zeit zwischen den beiden großen europäischen Kriegen des 20. Jahrhunderts auf, und macht uns klar, dass es in der Außenpolitik um Machtfragen geht und nicht um Moral.

Ausgehend vom Waffenstillstand 1918 und vom Versailler Vertrag, zeigt der Autor, dass sich einzig und allein das Deutsche Reich an die damals festgelegten Abrüstungsbedingungen gehalten hat, während die Siegermächte diesen Paragraphen in keiner Weise zu folgen gewillt waren. Im Gegenteil, angetrieben von gegenseitigem Misstrauen und wohl auch von der Überzeugung, dass die neue Struktur Europas auf die Dauer keinen Bestand haben könnte, trieben sie ihre Rüstung voran, selbst als das Deutsche Reich in der zweiten Hälfte der 20er Jahre seine Entwaffnung auf das vereinbarte Niveau voll durchgeführt hatte und somit keine unmittelbare Gefahr mehr darstellte. Dieser labile, aber nicht bedrohliche Zustand sollte noch fast ein Jahrzehnt bis weit in die Hitlerzeit hinein andauern, jedoch lief etwa in den USA zu jener Zeit die Rüstungsproduktion bereits auf vollen Touren und man baute dort sogar viermotorige Bomber, die sicherlich nicht für den Schutz des Landes vor Übergriffen mexikanischer Bandenführer vorgesehen waren.

Man begreift die Grundeinstellung von Staaten wie Frankreich, Polen oder der Tschechoslowakei, die, wie der Verfasser aufzeigt, in den 20er und 30er Jahren ganz entschieden aufrüsteten. Diese Staaten waren - ob zu Recht oder zu Unrecht soll hier nicht diskutiert werden - auf Kosten des Deutschen Reiches gewachsen oder überhaupt entstanden und mussten ein Wiedererstarken Deutschlands fürchten. Der Leser fragt sich jedoch nach den Motiven, welche der Londoner Regierung eine ähnliche Politik vorschrieben.

Natürlich gibt es dafür die traditionelle Erklärung, dass Großbritannien aus Prinzip die schwächere Macht auf dem Kontinent gegenüber der stärkeren förderte, doch liegen die Gründe vielleicht tiefer; man findet einen Hinweis darauf an anderer Stelle. Der britische Autor Martin Allen veröffentlicht in seinem Buch „Churchills Friedensfalle" ein Dokument, das hierüber Aufschluss geben kann. Es handelt sich um eine Notiz des Ständigen Beraters des britischen Außenministeriums, Sir Robert Vansittart, von Anfang September 1940 für seinen damaligen Außenminister, Lord Halifax. In dieser Notiz steht der merkwürdige Satz: „The enemy is the German Reich and not merely Nazism and [certain people]... would let us in for a sixth war even if we survive the fifth".

Auf den ersten Blick ist dieser Satz völlig unklar, denn es hatte außer dem 1. Weltkrieg nie einen Krieg zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien gegeben. Wenn man ihn mit einer weiteren Zeile aus Vansittarts Notiz zusammenbringt, erkennt man mehr, da steht nämlich „... the German Reich and the Reich idea have been the curse of the world for 75 years...". Liest man noch Vansittarts entsetzliches Pamphlet „Black Record - Germans Past and Present", so wird die Sache vollends deutlich: Es ging in London um die Auschaltung Deutschlands als Machtfaktor in Europa überhaupt und das war im 1. Weltkrieg noch nicht erreicht worden. Deutschlands bloße Existenz als Staat mit einer eigenen politischen Ausrichtung bedeutete schon eine echte Gefahr für die Londoner Regierung und musste daher bekämpft werden.

Vor diesem Hintergrund nimmt sich das Verhalten Londons in den Jahren zwischen 1918 und 1939 ganz rational aus. Man erkennt mit Schulze-Rhonhof, dass es den Regierungen in London darum ging, das Deutsche Reich in eine politische Situation hineinzubugsieren, in der es zu den Waffen greifen musste, um dann nochmals, und nun völlig, besiegt und entmachtet zu werden. Auch das sagt Vansittart in den wenigen Zeilen seiner Notiz: „...the German Reich ... has got to go under, and not only under, but right under." Als es dann im Sommer 1939 zur Danzig-Krise kam, die Schulze-Rhonhof sehr detailliert beleuchtet und Hitler vorher mit der Besetzung der Rest-Tschechei einen außenpolitischen Fehler begangen hatte, konnte man das britische Ziel auch der Welt verständlich machen, die nötigen Bundesgenossen gewinnen und militärisch aktiv werden. Hitler als Figur war dabei unwichtig und der Nationalsozialismus eine Nebensache. Die einzige Überraschung war der unerwartete und völlige Kollaps Polens im September 1939.

Diese britische Politik wurde grundsätzlich von dem Bestreben geleitet, den eigenen Besitzstand, das Empire, vor dem vermeintloichen deutschen Griff nach der Weltherrschaft zu sichern. Wie so häufig bei einem Krieg, sah dann die Welt 1945 völlig anders aus, als sich das die Beteiligten anfangs vorgestellt hatten. Deutschland war zwar zerstört, zerschmettert und zerrissen, den Erzfeind Preußen hatte man einfach abgeschafft, doch das Empire war ebenfalls verloren und im Osten richtete sich die Sowjetunion drohend auf, sodass sich ganz Westeuropa unter den Schutz der USA flüchten musste. Frankreich versuchte zu retten, was von seinen Eroberungen noch zu retten war, aber innerhalb von einem Dutzend Jahren war auch hier von Vietnam bis Algerien der Traum von einem Weltreich ausgeträumt. London besitzt heute politisches Gewicht nur noch durch seine Anlehnung an Washington und so könnte Großbritannien durchaus als 51. Staat der USA enden - wenn auch etwas anders, als sich das Shaw in seinem „Kaiser von Amerika" einmal vorgestellt hatte.
Polen und die Tschechoslowakei, um derentwillen man 1939 in den Krieg gezogen war, spielten 1945 überhaupt keine Rolle mehr und wurden mit den baltischen Staaten der Sowjetunion überlassen. Diese hatte als einzige Macht in Europa politische Siege verbuchen können, sie hatte mit Ostpreußen eine wichtige U-Bootbasis an der Ostsee gewonnen, hatte ihre Grenzen auf Kosten Polens und Deutschlands um mehrere hundert Kilometer weiter nach Westen vorschieben können und bedrohte jetzt sogar die USA von Kuba aus.

Von der heutigen Warte aus betrachtet, kann man die Politik der Alliierten in den Jahren vor 1939 nur als infantil und das Ergebnis als ein Desaster bezeichnen. Man hatte sich im Hinblick auf das Deutsche Reich einen Popanz aufgebaut, der den Blick auf die w irkliche Situation der damaligen Welt völlig verstellte. Weil sie ihrer eigenen Propaganda glaubten, fühlten sich die Alliierten berechtigt, die Substanz Mitteleuropas zu zerstören und dort eine kulturelle und geistige Wüste zu hinterlassen, die noch lange einen Schwachpunkt des Abendlandes darstellen wird, welcher vielleicht nie wieder beseitigt werden kann. Gerd Schulze-Rhonhof, dieser ehemalige Offizier, hat hier eine entscheidende Lücke in unserer Geschichtsschreibung gefüllt.

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Je weiter wir von der Zeit des Weltkrieges weg kamen, desto einseitiger und deletantischer wurden die Bücher der Autoren. Der Zentralrat der Historiker hatte sich auf einige Sache geeinigt:
1. Polen war friedlich und nicht Kriegsbereit
2. Die Tschechoslowakei wurde nur von Deutschland besetzt, das Polen die Nordprovinzen besetzte, hat nicht stattgefunden.
3. Das Münchner Abkommen fand aus friedfertigen Stimmungen statt, nicht weil die Royal Air Force mehr Rüstungszeit brauchte
4. Die Sowjetunion war der Inbegriff der Friedfertigkeit und wollte Finland, Lettland, Estland usw. nur ein wenig von seiner Friedfertigkeit überzeugen.
5. Der 17te September 1939 war ja gar kein Einmarschtag nach Polen, sondern ein Schutz vor den bösen Nazis.
6. Die wegnahme von Bessarabien und anderen rumäniaschen Gebieten diente nur dem Schutz der Sowjetunion vor einem Angriff der starken Rumänen auf Odessa!!! Nicht etwa der baldigen wegnahme der Erdölgebiete um Plötzi.
7. Die Rote Armee war ja gar nicht auf den Krieg mit Deutschland vorbereitet, denn 4,5 Millionen Soldaten, davon allein 100.000 Fallschirmjäger (Deutschland besaß mal eben 20.000 dieser Elitesoldaten), 24.000 Panzer, 7.000 Flugzeuge und 20.000 Geschütze sind zu wenig um mit den 3.100 Panzern, 8.000 Geschützen, 2.400 Flugzeugen und 3.000.000 Mann der Wehrmacht zu kämpfen.....

Sie merken es jetzt schon, sofern Sie so um die 40 sind, das man seit Jahrzenten dabei ist uns einen Bären aufzubinden. Viktor Suworow räumt damit auf. Er stellt Fragen. Und zwar genau die Fragen, die unsere sog. Experten sich weigern zu beantworten. Er recherchiert seit 40 Jahren in den Archiven Russlands, liest alles was ihm zum Thema in die Finger kommt und zieht, da er eben auch Militärexperte ist, sehr gute Schlüsse.

Er nimmt jedes Argument der "politisch korrekten Geschichtsschreibung" auseinander und widerlegt es argumentativ, ohne dabei revanchistisch zu wirken. Wer sich nur ein wenig im Militärwesen auskennt (das genannte Beispiel mit den Laufzeiten für Panzer als kleines Beispiel), der wird ihm Recht geben müssen.
Die Grundfragen des Buches verkürzt:
Warum hatten die Sowjettruppen an der Westgrenze keine Topographischen Karten des eigenen Territoriums, wenn sie dieses doch verteidigen wollten?
Kein Artillerist kann ohne solche Karten arbeiten, ohne Artillerie keine Verteidigung.
Warum gab es an der Westgrenze keine Verteidigungsanlagen, wie Panzergräben, Betonhindernisse und dergleichen? Warum hatte die Artillerie keine Schusspunkte? (Es gab beim Angriff der Wehrmacht keinen Bericht über Artilleristischen Widerstand!)
Warum verloren die Sowjets solche Massen an Truppen?
Warum irrten die Sowjetarmeen praktisch orientierungslos umher? (Sie hatten tatsächlich keine Karten von Ihrem Gebiet!!!)
Warum wurden abermillionen von Topografischen Karten ganz Westeuropas in Frontnähe gelagert?
Warum sollten am 5. Juli 1941 Sprachführer in Deutsch - Russisch und Rumänisch - Russisch an die Truppen der Westfront ausgegeben werden?
Warum wurden die Fallschirmjäger in Sprungbereitschaft versetzt?
Warum gab es auf jedem Flugfeld 4 Flugzeuge pro Flugzeugführer.

Viele weitere Fragen kommen hinzu. Zudem vergleicht Suworow! Und genau das tuen die "politisch korrekten Historiker" (Knopp und Konsorten) eben nicht! Sie lachen über die Betriebsstunden eines Sowjetpanzers. Aber sie fragen nicht: Wieviele Betriebsstunden durfte ein deutscher Panzer haben?
Sie lachen über die Sowjetpanzer und sagen die waren nicht so gut wie die Deutschen. Aber sie vergleichen nicht die technischen Daten der beiden Panzerarmeen.

Dieses Buch ist ein erstklassiges Werk. Man lese es unvoreingenommen und VERGLEICHE! Man lese und prüfe nach! Man lese ältere Werke über den 2ten Weltkrieg und dann neuere! Und dann wird jeder seine Schlüsse ziehen können.

Ich empfehle auch die DVD "Der letzte Mythos" von Suworow!