Philippinen

Die Philippinen – 7107 Inseln der Gegensätze

 

Wer die Philippinen mit offenen Augen bereist, begegnet liebenswerten, gastfreundlichen Menschen, aber auch allgegenwärtiger Korruption und urbaner Kriminalität. Zauberhafte Naturschönheiten und eine bunte Unterwasserwelt erfreuen den Reisenden, doch andererseits ist die Umweltproblematik unübersehbar, denn es sind bereits 90 Prozent der Regenwälder abgeholzt, viele Flüsse sind durch Industrieabwässer biologisch tot, das Meer überfischt und Abfall und Plastikreste im ganzen Land und Meer verteilt. Verheerende Erd- und Seebeben, wütende Taifune und Feuer speiende Vulkane gelten als durchaus normale Bedrohungen. Überfüllte, ja verslumte Großstädte, unberührter Dschungel und einsame Inseln mit paradiesisch leeren Stränden zeigen, dass der Massentourismus die „Inseln Philipps“ bisher großteils verschont hat. Auf vielen Lehmstrassen können nur die landestypischen „Jeepneys“ oder Tricikles, Motorräder mit Beiwagen, auf zum Teil atemberaubenden Bergstrassen, kleine Gruppen transportieren. Aber die Mühen und Entbehrungen des neugierigen Reisenden werden belohnt, vor allem im gebirgigen Nordluzon mit den zum Weltnaturerbe zählenden Reisterrassen. Diese wurden in jahrhundertelanger, mühevoller Handarbeit gegraben und mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem für den überlebensnotwendigen Reisanbau angelegt. Obwohl von den 100 Millionen Filipinos noch immer etwa 50 Prozent in der Landwirtschaft tätig sind, verfallen nach und nach diese bäuerlichen Wunderwerke, da die Jugend glaubt, in den Großstädten leichter leben zu können - meist ein folgenschwerer Irrtum. Reis muss bereits teuer importiert werden, in immer größeren Mengen, denn die zu 90 Prozent katholischen Filipinos lehnen Empfängnisverhütung ab und das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt annähernd zwei Prozent! Kinder sind die Kranken- und Pensionsversicherung, denn ein staatliches Wohlfahrtssystem ist unbekannt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Großfamilie den höchsten sozialen Wert darstellt. Besonders die Frauen arbeiten fleißigst und sind weltweit gefragte Krankenschwestern, Hausmädchen und leider auch Prostituierte, welche Milliarden Dollar zu ihren Familien überweisen. Gerne heiraten auch westliche Männer manche „Katalogfilipina“, denn  Feminismus kennen diese anmutigen Frauen nicht, sie gehen noch gerne ihrer Aufgabe als Mutter und Ehefrau nach, berichten voll Stolz auch Österreichische Männer, welche von den Emanzen unserer Breite genug haben. Individualität ist weitgehend unbekannt, alle Entscheidungen fallen im Familienrat. Das hat jahrtausende alte Tradition, denn als 1521 der Spanier Ferdinand Magellan die heutige Insel Cebu erreichte, wurde er und ein Großteil seiner Männer von gut organisierten Einheimischen unter dem legendären Häuptling Lapu-Lapu getötet. Allerdings kehrten die Spanier 1565 mit nur vier Schiffen zurück und es gelang ihnen mit Hilfe einiger Einheimischer, denen sie Macht und Privilegien versprachen, für 333 Jahre ein ausbeuterisches Kolonialsystem zu errichten, zu Ehren des Spanischen Königs Philipp II. Dieses von den weltweit agierenden Kolonialmächten angewandte „Kaposystem“, also Einheimische gegeneinander auszuspielen, hat bis heute bestand, denn nur etwa 200 Familien beherrschen und besitzen alles Land. Im Namen der Krone und des Kreuzes wurde ein Großteil der Filipinos zur kolonialen Ausbeutungsarbeit gezwungen. Die Jesuiten folgten den Soldaten, tauften und missionierten die Geister und Ahnen verehrenden animistischen Eingeborenen, denen man in all den Besatzungsjahren keinerlei Schulbildung zubilligte. Alle Aufstände gegen die Spanier scheiterten, auch der Nationalheld Dr. Ritzal, der übrigens in Wien und Heidelberg studierte, wurde 1896 exekutiert. 1898 besetzten die USA die Philippinen und wurden in den ersten Guerillakrieg Asiens verwickelt. 120.000 amerikanische Soldaten warfen bis 1901 die freiheitsliebenden Filipinos nieder. Erst 1942 vertrieben die Japaner die Amerikaner und versprachen „Asien den Asiaten“ – allerdings löste General Mc Arthur sein Versprechen „I shell return“ 1945 ein und in diesem „Befreiungskrieg“ wurden über eine Million Filipinos getötet und Luzon nahezu total zerstört. Zwar wurden die Philippinen 1946 unabhängig, doch zieht sich Korruption, Steuerhinterziehung, Schmuggel und Vetternwirtschaft bis heute durch alle Bevölkerungsschichten, man nimmt das aber als Teil des Umverteilungssystems durchaus gelassen hin. In der internationalen Presse hört man wenig über den Inselstaat, höchstens wenn wieder eine Fähre gesunken ist oder ein Wirbelsturm Schäden angerichtet hat. Dass die Insel Mindanao und Teile des Sulu-Archipels aber Sperrgebiete sind und dort die BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters) den Regierungstruppen heiße Gefechte liefern, weil sie einen Shariastaat errichten wollen, erfährt man nicht. In der Philippinischen Presse hingegen sorgen die Islamisten für tägliche Schlagzeilen, etwa am 30.1.2014: „37 BIFF bandits, 1 soldier dead in clash“ berichtete „The Philippine Star“. Trotz aller Risiken ist eine Reise zu den exotischen Inseln unbedingt zu empfehlen bevor auch die Philippinen vom Massenansturm asiatischer und westlicher Neckermänner überrollt werden.