Pädagogik

Lernen, lernen, lernen - nur - wer glaubt das genügt, um alle gleichzumachen, der irrt! Nicht die Lehrer sind in der Primärsozialisation für die geistigen Fortschritte ihrer Kinder zuständig, sondern die Eltern! Schichtspezifische Sozialisation heißt, es gibt Unterschiede - die "Bernstein - Hypothese" zeigt dies eindeutig: http://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein-Hypothese

busch

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“

Über die naiven Versuche der intellektuellen Zwangsgleichmacherei.

Seit Jahrzehnten werden an Österreichs Schulen Versuche durchgeführt, alle Kinder gleichzumachen. „Neue Mittelschulen“ heißen heute diese Gleichmachungsanstalten. Mit dem Einsatz unglaublicher finanzieller und personeller Mittel erreichen all diese verzweifelten Schulreformversuche nur eines: immer weniger Schüler erreichen das Lernziel. Im „Presse“ Artikel: „970.000 funktionale Analphabeten“ vom 8.3.2016 ist das traurige Resümee zusammengefasst: „Fast eine Million Österreicher und Österreicherinnen im Alter von 16 bis 65 Jahren können nur völlig unzureichend lesen und schreiben. Somit sind 17,1 Prozent funktionale Analphabeten. Das ergab die PIAAC-Studie 2013 (Programme for the International Assessment of Adult Competencies).“ Zwar steigen die quantitativen, formalen Abschlüsse, trotzdem finden ausbildungswillige Betriebe immer weniger qualitativ geeignete Lehrlinge. Die Universitäten führen bei Maturanten, welche eigentlich für ein Studium „reif“ sein müssten, sogar Aufnahmeprüfungen durch, soviel zum „Wert“ heutiger „Reifezeugnisse“. Die „Salzburger Nachrichten“ berichten unter „Tausende ohne Schulabschluss“, dass die Tendenz steigend beurteilt werden muss und bei Migrantenkinder ist die Lage nahezu aussichtslos. Wen wundert’s – im Migration- und Integrationsbericht 2015 sind die erschreckenden Details nachzulesen und es wird von einem „bildungspolitischen Handlungsbedarf“ schwadroniert, mit dem Ergebnis, dass unsere einfallslosen Politiker nach noch mehr Geld rufen. Speziell die massenweise einströmenden Fremden mit nichtdeutscher Muttersprache müssen mit immer mehr Integrationslehrern, Psychologen und einer Nivellierung nach unten doch endlich auch „gebildet“ werden. Nur – es wird der qualitativ schlechte „output“ mit noch so teurem quantitativem „input“ nicht besser werden. Die Schuldigen sind schnell verortet und vorverurteilt – reiche und gebildete Familien reproduzieren sich schichtspezifisch wieder mit gebildeten Kindern und „Unterschichtfamilien“ bringen nur den üblichen ungebildeten Nachwuchs hervor – da hilft eben keine linke Gleichmachungsdeologie, das ist vollkommen logisch – warum?

Der bedeutenden Philosophen Ludwig Wittgenstein stellte bereits in seinem Werk: „Tractatus logico philosophicus“ die Bedeutung der sprachlichen Fähigkeiten zur Erfassung unserer Welt fest. Sprachgrenzen sind eben Grenzen des Weltbegreifens und unterschiedliche soziale Schichten zeigen ein unterschiedliches Sprachverhalten. Diejenigen, die solche Fakten nicht kennen, sollten sich einen der Wittgensteinschen Imperative zu Gemüte führen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ oder wie die immer weniger werdenden Lateiner zitieren würden: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Wissenschaftlich präzise erforschte die Sozio-Linguistik der Soziologe Basil Bernstein: den Zusammenhang von sozialer Struktur, Sozialisation und Sprachverhalten in der „Defizithypothese“. Seine Hypothese lautet, dass die sozioökonomische Schicht, aus der ein Sprecher stammt, das sprachliche Verhalten bestimmt. Er unterscheidet zwischen dem elaborierten Sprachcode der Ober- und Mittelschicht und dem restringierten Code der Unterschicht, der einen geringeren Wortschatz und wenig grammatikalische Korrektheit im Hinblick auf die Standardsprache der Oberschicht aufweist. Ein Oberschichtkind hat bis zur Einschulung nicht nur Millionen Worte mehr gehört als ein Unterschichtkind, auch der Wortschatz ist um ein vielfaches grösser. Diese „Defizite“ versuchte bereits Bernstein durch kompensatorischen Sprachunterricht auszugleichen. Das Resultat war deprimierend – die teilnehmenden Kinder hatten erhebliche psychische Probleme, da ihnen das Oberschichtdenken fremd war und die prägende Primärsozialisation nicht durch Gehirnwäsche wegtrainiert werden kann. William Labov meinte, dass „alle Menschen in einer Sprechergemeinschaft eine gemeinsame Sprache wollen“. Er begründete daraufhin die „Differenzhypothese“ um ein wertfreies System im Gegensatz zur Defizithypothese zu schaffen. Sprache im sozialen Kontext ist also unterschiedlich und eine Gleichheit der Menschen Utopie – die Menschen sind different, das kann nicht wegideologisiert werden.

Ein großer Teil des alltäglichen Lebens wird von Sprache dominiert. Gerade für Heranwachsende ist sprachliche Orientierung ein wichtiger Faktor zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit. Sie kann Gemeinschaft innerhalb von sozialen Gruppen stiften, sie kann aber auch ausgrenzend und hinderlich wirken. Gerade Kinder nehmen meist von Geburt an unkritisch auf, was ihr soziales Umfeld ihnen sprachlich vorlebt. Im Falle einer Umgebung, die sich vorwiegend des restringierten Codes bedient, kann dies zu einer erheblichen Problematisierung des Sozialisationsprozesses insgesamt führen. Bernstein interpretiert den Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Schichtung und Sprache als zirkulären Prozess, in dem sich Sozialstruktur und Sprachverhalten gegenseitig reproduzieren.

Warum also dieser unbedingte Zwang zur Gleichmacherei? Warum soll das Kind eines Installateurs nicht auch dieses notwendige Handwerk erlernen und unbedingt zu einem universitären Massenstudium gezwungen werden? Eliten sind genauso notwendig wie Handwerker! Und so manchem Universitätsprofessor ist die Realität fremd, wie etwa dem islamischen Gelehrten Ibn Baz, immerhin stellvertretender Direktor der islamischen Universität von Medina – ein Hafiz. Er vertrat ein geozentrisches Weltbild und bezeichnete die Vorstellung, dass die Erde um die Sonne kreist, als unvereinbar mit koranischen Aussagen, weshalb dies als Unglaube zu gelten habe.

Glauben heißt nicht wissen, doch manche die glauben zu wissen – irren, weil ihnen das Wissen fehlt. Einer der bedeutendsten Neurologen unserer Zeit, Prof. Dr. Manfred Spitzer, bringt es in seinem unbedingt lesenswerten Buch: „Digitale Demenz“ auf den Punkt, ganz im Sinne Basil Bernsteins – nur digital modernisiert: „Wir wissen, dass Kinder von Eltern mit geringem Einkommen und geringerer Bildung mehr fernsehen und mehr Computerspiel spielen, wohingegen Kinder wohlhabender Eltern eher ein Buch lesen.“ Seine Zukunftsvision ist eindeutig – Verblödungstendenzen sind unaufhaltsam, denn: „Das bloße Vorhandensein von Computern zu Hause führt zunächst einmal dazu, dass Kinder Computerspiele spielen. Dies hält sie vom Lernen ab und wirkt sich negativ auf den Schulerfolg aus…“ Mehr Geld für das Bildungssystem ist also kontraproduktiv, denn moderne elektronische Hilfsmittel führen zu deutlich schlechteren Lernerfolgen – da aber muss wieder mit mehr Geld gegengesteuert werden und das führt wieder zur vermehrter Computernutzung – und, wie Manfred Spitzer erforschte, führt das wieder zu schlechteren schulischen Leistungen, da aber muss wieder mehr Geld……

 

http://www.youtube.com/watch?v=AwCTwDium0Y

http://www.youtube.com/watch?v=xIJHWcM_euE

http://www.youtube.com/watch?v=vobtKAT_UQs

http://www.youtube.com/watch?v=Wfuol1ju1m4

http://www.youtube.com/watch?v=tqqM3VAmgFc