Wirtschaft, Finanzen

Wer das Gold hat - macht die Regeln? Das meinte einmal der Milliardär Frank Stronach. Stimmt das? Sind wir Goldlosen nur Arbeitssklaven, Konsumidioten und gehirrngewaschenes Stimmvieh? - eigentlich JA!

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 Die Zukunft der Arbeit - 4.0

Wollt ihr die totale automatisierte und digitalisierte Gesellschaft?

Als der bedeutende Soziologe Ralf Dahrendorf 1982 in „Zeit online“ seine Zukunftsperspektive: „Die Arbeitsgesellschaft ist am Ende“ publizierte, irrte er gewaltig. Er berief sich auf Hannah Arendt, die bereits in den „Einleitenden Bemerkungen“ zu ihrem Buch Vita Activa davon spricht, dass wir in einer Gesellschaft leben, der die Arbeit ausgeht: „Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht,“ und sie fügte hinzu: „Was könnte verhängnisvoller sein?“ Ihre Frage schwimmt in Ironie. Arbeit, labour, ist für sie das, was Marx „entfremdete Arbeit“ nennt, menschliches Tun im Reich der Notwendigkeit, ein alter, aristotelischer Gedanke. Bei Aristoteles war die vita activa ja keineswegs erstrebenswert. Auch Hannah Arendt wünschte der Arbeitsgesellschaft durchaus fröhlich Lebewohl, denn Arbeit sollte auch sinnvoll, vita contemplativa, sein, eine Unterscheidung zwischen sozialen Klassen: die einen müssen dem praktischen Leben nachgehen, damit die anderen in die Lage versetzt werden, das theoretische Leben zu genießen, also tätig, zu sein. Viele Jahrhunderte lang blieb die Unterscheidung zwischen „denen, die arbeiten (müssen)“ und „denen, die nicht arbeiten (müssen)“ der Schlüssel zur sozialen Klassenbildung. Immer war dabei der Unterschied gemeint zwischen denen, die gezwungen sind, Dinge zu tun, und denen, die sie aus freien Stücken tun. Aber grau ist bekanntlich alle soziologische Theorie, denn seit Dahrendorfs Überlegungen hat sich die Weltbevölkerung nahezu verdoppelt und sie wächst rasant weiter – täglich um etwa 230.000 Menschen! Um all die Bedürfnisse der explodierenden Menschheit zu erfüllen, ist Arbeit überlebensnotwendig. Der Menschheit geht die Arbeit keineswegs aus, nur die Arbeitsplätze. Wie ist das möglich? Historisch betrachtet gab es bei jedem neuen Innovationsschub radikale soziale und arbeitstechnische Veränderungen.

Landwirtschaftliche und industrielle Revolutionen gestalteten immer wieder tiefgreifend und dauerhaft die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Arbeitsbedingungen und Lebensumstände der Menschheit um. Die erste Veränderung fand vor etwa 10.000 Jahren statt: es war der Übergang von der Zivilisationsstufe der Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht. Wie bei allen folgenden Revolutionen auch, erhöhte sich die Nahrungsmittelproduktion und damit wurde der Bevölkerungszuwachs angekurbelt, vermehrt geschehen bei den folgenden industriellen Umwälzungen. Muskelkraft wurde durch die Erfindungen, beginnend im 18.Jahrhundert, durch mechanische Kraft ersetzt. Die Erfindung der Dampfmaschine ermöglichte den Eisenbahnbau, im späten 20. Jh. führte die Elektrizität zur zweiten industriellen Revolution und zur Erfindung des Fließbandes und ermöglichte die Massenproduktion. Die dritte industrielle Revolution, die Computertechnik und Internet hervorbrachte, begann in den 1960er Jahren. Heute reden wir von Arbeit bzw. Industrie 4.0 mit noch vollkommen unüberschaubaren Konsequenzen. Der grundlegende gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturwandel weltweit ist auf ein allgegenwärtiges mobiles Internet, kleine und leistungsfähige Sensoren, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen aufgebaut. In dieser vierten industriellen Revolution verbreiten sich neue Technologien und Innovationen viel schneller und viel weiter als in den früheren Revolutionen. Klaus Schwab, Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums in Genf, nennt mögliche Entwicklungen dieser tiefgreifenden Veränderungen: Implantierte Technologien, dauernde digitale Vernetzung, Brillen mit Internetvernetzung, das Internet der Dinge – d.h. alles ist mit dem Internet verbunden, 3D-Druck als Fertigungsprozess nahezu aller physischen Objekte, usw. von Eingriff in biologische Prozesse bis zu digitalen Tatoos scheint es keine Grenzen mehr zu geben. Aber diese Entwicklung hat ihren gesellschaftlichen Preis, wie eine Studie der Oxford Martin School zeigt: in den nächsten 10 Jahren könnten bis zu 47 Prozent aller derzeitigen Arbeitsplätze verloren gehen. Das deckt sich auch mit nationalen Prognosen. Die „Neue Züricher Zeitung“ prognostiziert: „Die Leistung von Computern und Robotern wird in den nächsten Jahren massiv steigen. Jeder zweite Job droht ersetzt zu werden…Uns braucht es bald nur noch als Konsumenten.“ Und in der „Presse“ vom 3.11.2016 wird eine Studie von A.T.Kearney analysiert: „Digitalisierung bedroht fast jeden zweiten Job in Österreich…Die Automatisierung gefährdet hierzulande einer Studie zufolge in den nächsten 25 Jahren knapp die Hälfte aller Jobs. Der heimische Wohlstand steht auf dem Spiel.“

Das aristotelische Ideal des „vita contemplativa“ scheint sich zu erfüllen, die von Marx verteufelte „entfremdete Arbeit“ verschwindet und Freizeit, Müßiggang für alle, als paradiesische Utopie der Gesellschaftsform der Zukunft, beglückt uns? Nur – wie ist diese arbeitslose, digitalisierte Arbeitsgesellschaft von morgen mit der Erhöhung des Pensionsantrittsalters, der grenzenlosen Zuwanderung kulturfremder Arbeitssuchender und dem aussichtslosen Bemühen diese in den verzwergten Arbeitsprozess zu integrieren vereinbar? Und – was tun die nicht mehr als Arbeitnehmer benötigten Menschen Sinnvolles in ihrer grenzenlosen arbeitsfreien Zeit? Bereits heute zeigt sich bei Umfragen, dass viele Menschen Langeweile, Sinnlosigkeit und keine Zukunftsperspektive haben. Wie werden individuelle Leere und soziale Unruhen verhindert? Durch noch mehr digitale Spektakel, durch facebook-total und Implantierung von Spiel- Sex- oder sonstigen Chips ins Gehirn? Schöne neue Welt – der Mensch könnte sich statt im Paradies in der Hölle wiederfinden, mit Roboterteufeln und digitalen Interaktionspartnern.

Unsere derzeitige Arbeitsgesellschaft ist auf das scheinbare Freizeitparadies in keinster Weise psychologisch und materiell vorbereitet. Florian Haslauer von A.T.Kearney Österreich allerdings sorgt sich nur um die Ökonomie, nicht um die betroffenen Menschen: „Digitalisierung ist der größte Entwicklungsschub für die Industrie seit der industriellen Revolution. Dafür müssen aber Unternehmen, Politik und Wissenschaft aktiv den notwendigen Umbau der österreichischen Wirtschaft einleiten und vorantreiben.“ Wer soll das bezahlen, wie gerecht umverteilen, wer ist benachteiligt, bevorzugt? Bereits heute ist die Verschuldung der öffentlichen Hand ein Pleitefall und die schulischen Ideale der Ausbildung für ein Berufsleben sind keine schöngeistige Bildung für kontemplative Selbstfindung. Ralf Dahrendorfs Zukunftsperspektive: „Die Arbeitsgesellschaft ist am Ende“ scheint sich zu erfüllen, nur ganz anders als er dies 1982 analysierte, den die Frage der Zukunft wird nicht lauten: „wer muss arbeiten“, sondern: „wer darf arbeiten“ – und damit wird es auch zur Bildung neuer sozialer Schichten, Klassen, wie immer, kommen.