La Gomera

La Gomera

La Gomera – Insel der Rebellen, Kolonialherren und Individualtouristen

Etwas mehr als vier Stunden beträgt die Flugzeit von Österreich in das angenehme Klima der Kanarischen Inseln. Wer sich entschlossen hat die einzigartige kleine Individualisteninsel La Gomera zu besuchen, muss allerdings zuerst auf dem Flughafen Süd der kanarischen Hauptinsel Teneriffa landen und dieser Anflug lässt den Reisenden erschaudern! Nicht, weil Gefahr droht, nein – beim Landeanflug sieht man den Verbauungswahnsinn der grenzenlosen aneinandergereihten Touristenaufbewahrungssilos, sprich Bettenburgen, für wahrscheinlich hunderttausende Massentouristen. Also nichts wie zur Fähre nach der Sehnsuchtsinsel so mancher Aussteiger und Träumer vom Paradies. „Fred Olsen Express“ steht in riesigen Lettern auf dem Schiff und sofort ist man mit dem traurigen Schicksal der Gomeros konfrontiert, welche eigentlich immer von fremden Okkupanten unterdrückt wurden. Der norwegische Geschäftsmann Thomas Olsen begann ab 1904 die Insel systematisch auszubeuten – er kaufte Land und Wasser, er legte Plantagen an, exportierte Bananen und bezahlte die beschäftigten Einheimischen in einer eigenen Olsen-Währung, mit der sie im Olsen-Warenhaus einkaufen konnten. Und auch heute noch beherrschen seine Hotels, Restaurants die Insel, denn zwei Millionen Quadratmeter Agrarland wurde für die „Olsen-Bande“ in Bauland umgewandelt, die abgeschiedenen Einheimischen hatte keinen Bezug zum Geschäftemachen und heute sind 25% der Inselbewohner arbeitslos. Vom Hafen San Sebastian erreicht der Reisende dann über abenteuerliche Passstraßen seine Traumdestination, allerdings immer über das mehr als 1000 Meter hohe Plateau des UNESCO-Weltnaturschutzerbe des Naturparks Garajonay. Dieser immergrüne Lorbeerwald ist das wahre Kleinod der Insel im Atlantik, gehört er doch zu den letzten und besterhaltenen Urwäldern seiner Art weltweit. Dieser Regenwald ist ein Wandererparadies mit einem bizarren Gewirr aus Lorbeerbäumen, Riesenfarnen, Stechpalmen, Gagelbäumen, Moosen und Flechten. Jeder Ort an der Küste kann nur über eine schwindelnde Serpentinenstraße erreicht werden und als Ausgangspunkt eines Aufenthaltes kann das Valle Gran Rey empfohlen werden. Dort wacht auch die Statue des Nationalhelden der Guanchen, der Ureinwohner, Häuptling Hautacuperche, über seine Insel. Er war der Anführer der Guanchen 1488 gegen die spanischen Konquistadoren. Doch der Freiheitskampf gegen die Kolonialisten misslang und die besiegten Rebellen wurden hingerichtet und ihre Frauen und Kinder versklavt – sie teilten das Schicksal der weltweit von Spaniern und anderen Kolonialmächten unterdrückten Völker. Die Guanchen verständigten sich bereits damals in der unzugänglichen, zerklüfteten Gebirgslandschaft mit einer Pfeifsprache, Silbo genannt, heute von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Gerade die Mystik der Insel hat viele Romantiker, Aussteiger und Abenteurer in ihren Bann gezogen. So war es etwa die letzte Station von Christoph Kolumbus, ehe er mit seinen drei Karavellen 1492 aufbrach um den Seeweg nach Indien zu erkunden. Aber auch die berüchtigte Mühl-Kommune gründete im Tal von El Cabrito einen eigenen Staat. Als in weiterer Folge immer mehr Hippies, Schwule, Lesben und auch Haschischraucher auf die Insel kamen, wird berichtet, dass die Inselbewohner völlig überfordert wurden, denn all diese exotischen Randerscheinungen waren ihnen unbekannt. Heute noch gibt es Jogagruppen, übergebliebene Althippies und Sonnenanbeter, die täglich bei Sonnenuntergang trommelnde Rituale zelebrieren, in der Hoffnung, dass Touristen ihnen ein paar Euros spendieren, denn für sie ist ja das Leben zu kurz um es mit Arbeit zu vergeuden. Geld fließt auch von der EU auf die Insel. Ein perfekt ausgebautes Straßennetz verbindet selbst abgelegen Siedlungen mit den Hauptstraßen, der ländliche Tourismus wurde gefördert, die alten Wanderwege der Schaf- und Ziegenhirten wiederhergestellt. Aber die alte Mystik lebt weiter. So gibt es fast täglich irgendwo katholische Prozessionen, gepaart mit archaischen Ritualen. Etwa bei der Kapelle von Chorros de Epina, wo der Pilger aus der Quelle entweder ein Liebeselexier oder einen Hexenabwehrzauber trinken kann.

Noch gibt es auf La Gomera keinen Massentourismus, wie dies im inspirierenden Buch: „Paradies der Sinne“, entstanden in der Villa Kunterbunt, über die Lebendigkeit der Natur und ihrer Erscheinungen beschrieben wird: „La Gomera ist ein Mythos wegen seiner archaischen Naturphänomene und der eindrucksvollen Präsenz elementarer Gewalten – Feuer, Wasser, Luft und Erde. Im Gewahrwerden dieser Kräfte entdecken wir das Menschsein.“

                      

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https://de.wikipedia.org/wiki/La_Gomera