Scientology

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Weder Religion noch Ideologie: Die Verführung namens Scientology

Der Gründer der reichen und politisch einflussreichen Sekte „Scientology“, Lafayette Ronald Hubbard, soll einige Jahre vor ihrer Entstehung gesagt haben, die beste Art Geld zu verdienen, sei eine Religionsgründung.

Hubbard, ein ehemaliger Science-Fiction-Autor, verwirklichte seine Geschäftsidee 1953. Als Ideologie lehnte er sich an seine Romanvisionen an und behauptete, dass menschliche Körper Milliarden Jahre alte intergalaktische Geschöpfe sind, so genannte Theta-Wesen oder Thetaner. Obwohl diese Urkörper sehr stark sind, stehen sie doch negativ unter dem Einfluss von Engrammen, die von fernen interstellaren Kriegen herrühren können, wie von rivalisierenden Thetanern. Solche Schwächen, Engramm-Implantationen genannt, führen geistig und körperlich zu Krankheiten und Behinderungen. Aber – welch großes Glück – die Scientology-Missionare stellen mit Hilfe von „Hubbard-Elektopsychomesser“ den Grad der Besessenheit fest, und mittels „Auditing“, einer Mischung aus Beichte und Psychotherapie, kann eine Neutralisierung dieses Milliarden Jahre alten Krankheitsbildes erreicht werden. Sobald ein Opfer diese schwachsinnigen Diagnosen glaubt, kann es, um teures Geld, mittels Seminare, eine stufenweise Anhebung seines Persönlichkeitszustandes erreichen. Neben solchen Praktiken der Gehirnwäsche muss der Läuterungswillige auch Geld für das „Dianetik-Buch“ und den berüchtigten „Hubbard-E-Messer“ aufbringen.

Sitz der „Mutterkirche“ ist seit 1954 in Los Angeles, die „Church of Scientology“ und weltweit werden, gegen Zahlung, in Form von Franchisesystemen, Lizenzen für weitere Sekten-Zentren verkauft. Diese Kultorganisation liegt überall wo sie auftritt mit der Justiz im Streit, entweder liegen Steuerprobleme vor oder Gerichtsverfahren wegen Gegendarstellungen zu behaupteten Menschenrechtsverletzungen. Scientology zeichnet sich als jene Sekte aus, welche die Gerichte am meisten beschäftigt. Seit 1997 wird die Scientologie-Sekte in Deutschland, aufgrund eines Beschlusses der Innenministerkonferenz, durch den Verfassungsschutz beobachtet, da mit aggressiven Mitteln Menschen getäuscht werden, denn Scientology ist ein religiös verbrämter Wirtschaftskonzern mit totalitärem Machtanspruch. Nach außen wirbt die Organisation mit Heilsversprechen und Lebenshilfe. Intern jedoch benutzt sie Psychotechniken, um den Einzelnen emotional abhängig zu machen. Mitglieder müssen sich einem rigiden Kontroll- und Strafsystem beugen, „Wissensberichte“ über andere Scientologen abliefern. Ethik-Offiziere und der eigene Geheimdienst OSA überwachen die Einhaltung der Regeln. Kritiker gelten als „geisteskrank“, der Ausstieg aus der Organisation als „Schwerverbrechen“ – in der Scientology-Logik das schlimmste aller Vergehen.  Scientology wird wie ein Gewinnorientiertes Unternehmen geführt. Entscheidungen des derzeitigen Vorsitzenden David Miscavige sind bindend. Das „World Institute of Scientology Enterprises“ (WISE) verkauft als Verband scientologischer Unternehmen Kommunikations- und Managementkurse. Die Organisation gibt sich auch ein soziales Gesicht: „NARCONON“ kümmert sich um Drogenabhängige, „Applied Scholastics“ um den Nachwuchs, nämlich lernschwache Schüler. Die Missionare

nennen sich „Geistliche“ und rekrutieren „rohes Fleisch“, wie sie sagen, auf der Straße. Scientology-Anhänger werben Mitglieder an Infoständen, im Freundes- oder Familienkreis. Interessenten überreden sie oft zu einem Persönlichkeitstest, der „Oxford Capacity Analyse“. Diese stammt jedoch nicht von der britischen Universität, sondern von L. Ron Hubbard. Aus den Antworten der Aspiranten werden die ersten Seiten einer Psycho-Biografie formuliert, danach wird ein Kommunikationskurs empfohlen – der Einstieg in das nach oben offene und teure Scientology-Training. Nach scientologischer Vorstellung speichert der Mensch alle schmerzhaften Erfahrungen als „Engramme“ ab. Diese seien auch für soziales Fehlverhalten, Krankheiten und „Perversionen“ wie Homosexualität verantwortlich. Im Laufe der scientologischen „Umprogrammierung“ können die Engramme jedoch angeblich „gelöscht“ werden. Im Status „clear“ („geklärt“), so die Behauptung, sind alle Traumata und Verletzungen beseitigt. Nun könne die Seele allmählich in ihren ursprünglichen, freien Zustand zurückkehren. Gegen Geld müssen sich die Mitglieder regelmäßigen „Auditings“ unterziehen. Sie werden an einen „E-Meter“, eine Art Lügendetektor, angeschlossen und über intime Details ausgefragt. Das bayerische Innenministerium warnt, dass sich bei manchen Kandidaten ein „suchtähnliches Verlangen nach weiteren Kursen“ entwickelt. Um Heilsversprechen zu verkaufen, bedient sich Scientology der christlichen Kreuzsymbolik und fantastischer Elemente: Wer der Lehre folge, könne lernen, Materie, Energie, Raum und Zeit („MEST“) zu beherrschen. Wer diesen Level erreicht, hat laut bayerischem Innenministerium möglicherweise mehrere Hunderttausend Euro an Scientology bezahlt. Die Fabrikation der Mensch-Maschine im kybernetischen Lernlabor, diese Form der menschenverachtenden Manipulation, thematisierte auch Ursula Caberta in ihrer kritischen Untersuchung „Schwarzbuch Scientology“ und sie stellt fest, dass diese Sekte mit Religion absolut nichts zu tun hat. Wie naiv muss man sein, so fragt man sich verwundert, um für die im Detail haarsträubende, „menschenverachtende Psycho-Ideologie“ (Günter Beckstein) allen Ernstes „Religionsfreiheit“ zu fordern? Ursula Caberta: Scientology ist keine Sekte. Der Sektenbegriff impliziert ja etwas Religiöses - und Scientology hat nichts Religiöses an sich. Scientology ist eine politische Organisation mit politischer Ideologie und einer subtilen Vorgehensweise, um ihre Ideen in der Gesellschaft zu etablieren - und diese letztlich zum gesellschaftlichen Meinungsbild zu erheben.

Wie ist es möglich, dass trotzdem hunderttausende Menschen diesen Sekten-Rattenfängern in die Falle gehen? Es ist das Sinnvakuum unserer gottlosen Gesellschaft, welche Menschen glauben lässt, selbst gottähnliche, Milliarden Jahre alte Urmaterie zu sein. Es fehlt an Vorbildern, an patriotischer Gesinnung und die gewachsene christliche Tradition des Abendlandes ist brüchig geworden. Das hilflose politische Establishment bietet keine Lösungen an, im Gegenteil – an unseren gewachsenen Werten und Normen wird weiter munter gesägt, sehr zum Gefallen solcher Sekten und anderer Nutznießer des angestrebten multikulturellen, austauschbaren Einheitsbreies.

Wie musste schon der nach Erkenntnis strebende Faust erkennen: „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst.“

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