Andalusien

Spanien 2009 606

Vandalen, Moslems, Katholiken – Al Andaluz

Knapp neun Millionen Touristen jährlich reisen über die Drehscheibe Malaga mit dem Flugzeug zur Costa del Sol und werden von dort, mittels generalstabsmäßig geplanter Bustransfers, in ihre Massenquartiere weiterverfrachtet. Bahn- und Kraftfahrzeugtransporte vervielfachen diese gigantische Tourismusinvasion noch weiter. Garantieren doch mindestens 300 Sonnentage im Jahr, dass der sonnenhungrige Massentourist am „Teutonengrill“ auch sicher braungebrannt heimkommt und wieder von einem gelungenen Urlaub seinen, vor Neid noch blasser aussehenden, Nachbarn berichten kann. Verschwiegen wird die meist bahnhofsähnliche Essensabfertigung in den riesigen Hotelkomplexen und dass nahezu die gesamte Küste in den letzten Jahrzehnten von skrupellosen Immobilienspekulanten mit gesichtslosen Bettenburgen zubetoniert wurde. Die obligatorischen Golfplätze und Schwimmbäder verschlingen Wassermengen von Kleinstädten mit Leichtigkeit, Wassermangel und Umweltprobleme sind die unbewältigten Folgen hemmungsloser Konzeptlosigkeit. Alleine in der ehemaligen mondänen Partyhochburg Marbella gibt es 50 Golfplätze und mindestens 30.000 illegal gebaute Wohnungen, es ist dies nur die Spitze eines gigantischen Korruptionsgeflechtes im EU-Staat Spanien. Doch vor den Massentouristen eroberten unzählige Völker Andalusien und hinterließen zum Teil einzigartige Kulturdenkmäler. „So komm…und schau“ könnte man den Mauren Ibn Zamrak zitieren, wenn dies nicht ebenfalls bereits zehntausende Japaner, Russen, Amerikaner und andere fotografierende Schaulustige tun würden. Um die Alhambra in Granada besuchen zu dürfen, muss man bereits Monate vor der geplanten Reise im Internet Karten kaufen, aber die Besichtigung dieses wunderbaren Palastes der Nasriden lohnt jede Mühe. Die antike Vorstellungswelt endete bei den „Säulen des Herkules“, der Meerenge von Gibraltar und die Phönizier wagten sich als erste darüber hinaus. Sie gründeten um 1100 v.Chr. die älteste Stadt Europas – Gadir, das heutige Cadiz. Den Griechen, Karthagern und Römern folgten im Zuge der Völkerwanderung die Vandalen, welche dem Land auch den bis heute erhaltenen Namen gaben – (V)andalusien. Die Westgoten unter König Roderich werden 711 in der Schlacht von Jerez de la Frontera von der muslimischen Armee des arabischen Feldherrn Tarik Ibn-Sijad geschlagen und Andalusien bleibt bis zur „Reconquista“, der Rückeroberung durch die Christen, von diversen muselmanischen Emiren und Kalifen besetzt. Als letztes maurisches Gebiet fällt 1492 Granada und 1496 wird Spanien Habsburgisch. Diese wechselvolle Geschichte lässt sich an hand der weltlichen und religiösen Prachtbauten eindrucksvoll nachvollziehen, doch so manche Geschichtsinterpretation ist, wie so oft, hinterfragenswert. Speziell die muslimische Besatzungszeit wird gerne als Vorbild für Toleranz der unterschiedlichsten Völker und Religionen verherrlicht, aber war das wirklich der Fall? Die rasche gewaltsame Expansion der Araber kurz nach Mohammeds Tod Richtung Westen war keinesfalls der damals noch kaum bekannten Religion des Islam zuzuschreiben, sondern die Mehrzahl der ungebildeten Plünderer strebte nach Reichtum und der Aneignung fremder Annehmlichkeiten. Die anstürmenden Araber und Afrikaner waren daher keine Glaubenskrieger, sondern meist Beduinen, denen der Islam gänzlich fremd war. Die Kalifen hatten keine Skrupel solche beutegierige Wüstenkrieger in ihre Dienste zu nehmen. Oriana Fallaci dazu: „Denn die einzige Kunst, in der sich die Söhne Allahs stets hervorgetan haben, ist die Kunst zu besetzten, zu erobern, zu unterjochen. Die begehrteste Beute war immer Europa, die christliche Welt….Und wer an den Mythos des „friedlichen Zusammenlebens“ glaubt, das nach Meinung der Kollaborateure die Beziehungen zwischen Eroberten und Eroberern prägte, täte gut daran die Geschichten über verbrannte Konvente und Klöster nachzulesen, über geschändete Kirchen, vergewaltigte Nonnen, christliche und jüdische Frauen, die entführt wurden und die in Harems gesperrt wurden….Wenn man den Namen Jesu oder der Muttergottes aussprach, wurde man sofort hingerichtet.“ Vielleicht ist dies auch der Grund, warum gerade in Spanien der Katholizismus nach der Reconquista eine kompromisslose Wiederauferstehung feierte. Nicht nur die riesigen Kathedralen von Sevilla, Cordoba und Granada zeigen dies, sondern die bis heute praktizierten Bräuche, speziell die großen Prozessionen der Patronatsfeste und Marienumzüge. Gespenstische Geißler in langen weißen Tunikas, die Gesichter unter Kapuzen verborgen, barfuss mit rasselnden Ketten, werden von schwarz gekleideten Marien- und Laienbrüdern der örtlichen Bruderschaften auf ihrem schmerzvollen Büßerweg begleitet. Kein noch so kleiner Ort ohne strenge katholische Tradition, auch in den sehenswerten weißen Dörfern, welche wie Adlerhorste von  Bergkuppen herableuchten. Ronda ist solch ein Ort, er gilt als die Wiege des noch heute blutig vollzogenen Rituals des Stierkampfes, jedem linken Emanzenprotest zum Trotz, ein spanischer Nationalsport - schließlich ist der spanische Mann ein Macho! Viel gibt es in Andalusien zu entdecken, Fiestas, Mythen, Flamenco, Kunst- und Kultur, abwechslungsreiche Landschaften, nur Land und Leute wirklich kennen zu lernen ist schwierig, denn der spanische Nationalstolz verhindert, dass außer Spanisch eine andere, fremde Sprache, ernsthaft gesprochen wird, auch in touristischen Hochburgen nicht. Die bettelnden Zigeuner, illegalen Neger und eindeutig als Nichtspanier erkennbare Personen werden einfach ignoriert, man bleibt unter sich, gibt es doch keine höhere Instanz als die Familie und die eigene Gemeinde. Aber vielleicht macht gerade dies Andalusien so anziehend, jedem Kulturschock zum Trotze kann nur empfohlen werden: „So komm…und schau“.