Kalter Krieg in Österreich

kalter krieg

„Kalter Krieg“ auch  im neutralen Österreich? – ja dürfen´s das?

„Gladio“ und „Polarka“ verändern das Freund – Feindbild in Europa

Der gemeinsame Feind Deutschland einte auf den Konferenzen von Teheran und Jalta noch die „Grossen Drei“. Der kranke US- Präsidenten Roosevelt,  Churchill, der bombende Deutschlandhasser und ein machtgieriger Stalin markierten 1944  in trauter Eintracht ihre Reviere für die Nachkriegszeit und teilten die zu erwartende  Beute unter sich auf.   Aber bereits im Sommer 1945, in Potsdamm, wurde aus der ursprünglich „gewaltigsten Konzentration von Weltmächten, die es in der Geschichte der Menschheit gegeben hat“, die größte Konfrontation der ehemaligen Waffenbrüder. Die Rote Armee war weit nach Zentraleuropa vorgestoßen und Bolschewisten standen den westlichen Armeen waffenstarrend gegenüber. Churchill erkannte zu spät das „falsche Schwein“ geschlachtet zu haben und die Konsequenz aus dieser Aufteilung Europas war die Vorbereitung auf den dritten Weltkrieg, der sogenannte „Kalte Krieg“.

Die Siegermächte zögerten keine Sekunde, ihre ehemaligen Feinde  in die strategischen Überlegungen einzubeziehen. So wurden etwa die Raketenexperten von Peenemünde, mit Wernher von Braun an der Spitze, ehrenvoll von den Amerikanern übernommen. Auch General Reinhard Gehlen mit seiner Abteilung „Fremde Heere Ost“ war eine Verstärkung der westlichen Geheimdienste. Die Franzosen wiederum scheuten sich nicht, in der Zeit von 1946 bis 1954, etwa 35.000 Deutsche und Österreicher in die Fremdenlegion zu integrieren. Ganze Wehrmachtsverbände lud man freundlich ein, indem die Alternative zwischen 20 Jahren Arbeitslager oder Legion gestellt wurde. Der Autor Marc Frey stellt fest, dass der Kampf gegen den Kommunismus in Asien hauptsächlich von deutschen Verbänden geführt wurde und in Dien Bien Phu die Waffen–SS ihre letzte Schlacht gefochten hat.

Die Sowjets kannten in den von ihnen besetzten Gebieten ebenfalls keinerlei Skrupel Menschen und Material für ihre Pläne, die Weltherrschaft des Kommunismus zu erkämpfen, gewaltsam zu vereinnahmen. Als am 14. Mai 1955 in Warschau die UdSSR, DDR, Albanien, Bulgarien, Polen, Rumänien, Ungarn und die Tschechoslowakei den „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ unterzeichneten, wurden alle von der  Sowjetunion besetzten Länder Frontstaaten Richtung NATO.

Einen Tag später, am 15. Mai 1955, wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet und die Schweiz und Österreich lagen als neutrale Pufferzone zwischen NATO und WAPA. Viele naive Zeitgenossen glauben bis heute, dass die Neutralität Österreich, im Falle einer militärischen Eskalation zwischen Ost und West, geschützt hätte. Das ist natürlich bequemster, dilettantischer Zweckoptimismus. Nur eine starke, entschlossene Verteidigungsbereitschaft hätte vielleicht vor einer Einbindung bei einer militärischen Konfrontation geschützt. Das österreichische Staatsgebiet wurde selbstverständlich immer als Durchmarschgebiet in die operativen Planungen miteinbezogen.

Unter dem Decknamen „Gladio“ planten westliche Nachrichtendienste in ganz Europa, bei Besetzung durch Truppen des Warschauer Paktes, den Kampf mittels Sabotage und Guerillakrieg fortzusetzen. Verantwortlicher Planer war der 1. Direktor des neugegründeten CIA, Allen Dulles. Es wurden Handfeuerwaffen, Munition, Handgranaten und Sprengmittel in gut ausgebauten und getarnten Erdverstecken angelegt. Eine SS-Division erhielt in England den Status „free setteler“ und die Gesamtstärke der „Gladio“ Guerillatruppe wird auf etwa 15.000 Mann geschätzt. Bekannt wurden diese geheimdienstlichen Machenschaften in Verbindung mit der italienischen Geheimloge „P2“. Udo Ulfkotte berichtet, dass in Deutschland 1981 33 Erddepots entdeckt wurden. Man behauptete, diese Waffenverstecke seien von dem Rechtsextremisten Lembke angelegt worden, in Wirklichkeit steckte jedoch die Organisation „Gladio“ dahinter.

Aber auch der sowjetische KGB legte für seine Terrortruppen Waffenlager in Österreich an. Das letzte Depot wurde im Mai 1997 gefunden. Die Ostagenten waren in Österreich reichlich vertreten, ganz im Stil des „Dritten Mannes“ trieben sie hier ihr Unwesen. Es gab kein Bundesheermanöver, bei dem nicht zufällig ein russischer LKW in der Nähe beobachtet wurden oder antennengespickte Schleppkähne, unter der Flagge eines WAPA Staates, die Donau befuhren. Russische Panzerfahrer lenkten zivile Transporter, um über die Geländeverhältnisse ihrer möglichen Angriffsziele aufgeklärt zu sein. Tozzer/Kallinger berichten über Geheimdienstaktivitäten des KGB im Rahmen der Invasion der WAPA Truppen 1968 in der CSSR. Agenten reisten als Touristen getarnt nach Österreich ein, Waffen wurden auf sowjetischen Schleppschiffen transportiert und :“Unter Zollverschluß lagen auch rund 1000 Tonnen Fleisch, mögliche Verpflegung für eine Invasionstruppe.“ Österreich wurde vom „Kalten Krieg“ nicht ausgespart, im Gegenteil, die Breschnjew – Doktrin verlangte offensive Planungen. Als der jugoslawische Diktator Tito einen blockfreien Weg eingeschlagen hatte, plante die UdSSR eine Besetzung unseres südlichen Nachbarstaates, um sich ihre Interessen am Balkan und den Zugang zur Adria zu sichern. Der Hauptangriff sollte über Ungarn erfolgen, begleitet von einem flankierenden Vorstoß über Österreich. Dieser Plan - „Polarka“ ­– sah vor, dass Truppen des Warschauer Paktes aus der CSSR antretend, die Donaubrücken innerhalb von drei Stunden in Besitz bringen würden. In Graz hätte das Hauptquartier der Invasionstruppen errichtet werde sollen und für die gesamte Operation war ein Zeitrahmen von 48 Stunden vorgesehen. Die „Schlachtenbummler“ in den Bussen, die 1963 zum Fußballspiel von Dukla – Prag nach Italien fuhren, waren Armeekommandanten, welche die Strecke der Invasionsarmee „Polarka“ befuhren, um sich über ihr Angriffsgelände persönlich ein Bild zu machen.

Die Bewohner der „Insel der Seligen“ glaubten jedoch an die Unantastbarkeit der Neutralität.

Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten und dem Ende des planwirtschaftlichen Systems, wurden die sowjetischen Truppen 1994 aus dem Vorfeld zurückgezogen und die Gefahr eines 3.Weltkrieges war vorerst gebannt. Gott hatte diesmal Österreich wirklich geschützt. 

 

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