Thailand

Thailand 1 435

Schatten über dem Paradies Siam, dem Land des Lächelns

Die Thais lieben ihren König Bhumipol Adulyades über alles und ihm zu Ehren ziehen sie jeden Montag gelbe Oberbekleidung an. Obwohl 1932 die absolute Monarchie abgeschafft wurde, gelingt es dem heute achtzigjährigen König immer wieder bei den häufigen politischen Krisen diplomatisch zu vermitteln. Immerhin putschte das Militär seit den dreißiger Jahren in der konstitutionellen und parlamentarischen Demokratie Thailand siebzehn Mal. Auch der erst seit einigen Wochen neu gewählte Regierungschef Samak, der nach dem Militärputsch von 2006 die Interimsregierung des General Surayud Chulanont beendete, muss mit Konflikten rechnen, denn politische Interventionen, seitens der korrupten Armee- und Wirtschaftsführung, sind vorprogrammiert. Trotz Anti-Korruptionskommission, Wahlkommission und Verfassungsgericht konnte bei der letzten Wahl die Tradition des Stimmenkaufes nicht abgeschafft werden, Turbolenzen im thailändischen Parlament endeten in Handgreiflichkeiten. Auch die Wirtschaft ist angeschlagen. Der Versuch eines „Staatskapitalismus“, der die Abhängigkeit Thailands von Einfuhren aus dem Ausland beseitigen sollte ist gescheitert und Anreize für die Ansiedlung kleiner, innovativer Firmen existieren nicht. Die Landwirtschaft beschäftigt immer noch zwei Drittel der Erwerbstätigen, allerdings werden gerade in diesem Sektor Millionen Arbeitskräfte freigesetzt, da die Reisbauern modernisieren. Die traditionelle langsame Feldarbeit mit den Wasserbüffeln wird durch motorisierte Geräte ersetzt. Das führt zu einem vermehrten Zuzug in die, ohnehin bereits aus allen Nähten platzenden, Großstädte. Die urbanen Probleme, wie Kanalisation, Müllabfuhr oder Trinkwasserversorgung sind aber auch in den explosionsartig wachsenden Touristenorten eine tickende Umweltbombe. Da der gesamte Verwaltungsapparat korrupt ist, besteht keinerlei systematische Städte- oder Landplanung. Dies sollte auch jedem ausländischen Investor klar sein, denn in Thailand ist ein „Farang“, ein weißer, „langnasiger“ Ausländer rechtlos, wenn er nicht mit Geld zu seinem Recht gelangt. Ein Fremder kann keine thailändische Staatsbürgerschaft beantragen, keinen thailändischen Grund oder Besitz erwerben und vor Gericht oder im Umgang mit der Polizei wird ihm, auch wenn er im Recht ist, sicherlich nicht geglaubt. Allerdings darf keinesfalls der einzelne Thai für diese korrupte Systemwirtschaft verurteilt werden, denn generell muss festgehalten werden, dass Fleiß und redliche Bemühung den Arbeitsalltag prägen. Da es in Siam weder Alters- noch Krankenkassen oder Gewerkschaften gibt, muss die Familie für alle Ausgaben aufkommen. So ist zu beobachten, dass immer dann, wenn Kunden einkaufen wollen, die Geschäfte geöffnet sind, auch weit nach Mitternacht. Tägliche Arbeitszeit von zehn und mehr Stunden ist keine Seltenheit. Natürlich beeinflusst der friedfertige Buddhismus in allen Lebenslagen die Handlungsweisen der Thais. Es ist das Konzept des Rades, d.h. alle guten, bzw. schlechten Taten, welche man anderen Personen angedeihen lässt, kommen auf die eigene Person zurück. Fünfundneunzig Prozent der Bevölkerung fühlen sich der Lehre Buddhas verbunden. Es ist das Streben nach einer Verbesserung der Position im nächsten Leben, nach einer Wiedergeburt, welche die Überwindung von Gier, Hass und Unwissenheit, mittels der Lehre des achtfachen Pfades, verlangt. Die religiösen Rituale sind, auch im hektischen Trubel von Bangkok, allgegenwärtig. Jedes Gebäude hat ein eigenes Geisterhäuschen zur Abwehr böser Dämonen und prachtvolle Tempelanlagen vermitteln eine kontemplative, spirituelle Kraft und Ruhe. Jeder junge Mann verbringt einige Zeit als Mönch in besitzlosem Zustand, diese Männer mit Nahrungsmittel zu versorgen ist tägliche Pflicht der Gläubigen. In den sakralen Anlagen wird auch Buddha mit Speisen versorgt, Blumen, Räucherstäbchen und Blattgold werden geopfert, um die eigenen guten Taten, für eine bessere Widergeburt, zu vermehren. Der Glaube an Geister und Dämonen bestimmt den gesamten Lebenszyklus eines Thais und das gütige Antlitz Buddhas ist im ganzen Land mittels allgegenwärtiger Statuen zu sehen. Einmal riesig groß, mächtig, alles überragend, mal liegend, sitzend, aber immer lächelnd und keinesfalls aggressiv. Leider hat aber auch Thailand in seiner südlichen, an Malaysia grenzenden Provinz, ein Problem mit dem Islam. Mitte der 1960er Jahre bildete sich eine islamische Befreiungsbewegung, welche den Anschluss an das islamische Malaysia militant erkämpfen wollte. Libyen und der Iran unterstützten den bewaffneten Kampf und bis heute erfolgen Attentate, speziell auf die Bahnverbindung nach Singapur. In diesen Unruhegebieten sind laufende Polizeikontrollen an der Tagesordnung. Auf Straßensperren trifft man sonst nur noch im Norden, dem „Goldenen Dreieck“ an der Grenze zu Burma und Laos. Dort gibt es einerseits Probleme mit aufständischen Bergstämmen und andererseits den Drogenschmuggel der Mohnbauern. Verboten sind die Produktion, der Handel und der Genuss von Opium schon seit 1958, doch ist das Geschäft mit dem weißen Pulver so lukrativ, dass auch die Androhung der Todesstrafe die Einhaltung des strikten Embargos unmöglich war. Legal hingegen sind die Einnahmen aus dem sich zur großen Plage ausufernden Tourismus. Keine Tsunamiwarnung verhindert, dass immer mehr Fremde ihre Träume von Sonne, netten Menschen, billigen Preisen und leider auch Sexphantasien verwirklichen wollen. Man kann von einer wahren Invasion der Tourismusindustrie sprechen, wenn übergewichtige, präpotente und oftmals unfreundliche Touristen in Fremdenverkehrsreservate wie Pattaya oder Phuket einfallen. Was müssen die freundlichen und schlanken Thais eigentlich über die westliche Kultur denken, wenn bei Buffets Teller mit allen erlangbaren Speisen überfüllt weggetragen werden oder ältere, fette und hässliche Männer mit jungen Thaimädchen herumziehen? Hier werden Träume verkauft, welche mit dem 65 Millionenvolk so gar nichts zu tun haben. Die meisten Touristen bereisen das Land nicht, sie bleiben, wie auf ihren alten Hausmeisterstränden und Teutonengrills, nur in den künstlichen Touristenreservaten. Image und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Thailand zu verstehen ist auch sehr schwierig, man muss schon abseits der touristischen Trampelpfade viel Zeit und Geduld investieren um zu erahnen, wie der Alltag von Menschen einer uns fremden Kultur und Religion, das Leben von Menschen mit tief verwurzelten Lebens- und Verhaltensweisen aussieht. Sicherlich werden noch viel mehr Touristen kommen, dann werden noch mehr „wild“ errichtete Hotelanlagen errichtet werden, ohne Kläranlagen, Kanalisation und ohne gesicherte Wasserversorgung. Durch den Zustrom von Landarbeitern in die Städte wird sich das Problem der Arbeitslosigkeit aufschaukeln, Familien müssen vermehrt für den Unterhalt ihrer Verwandten sorgen und junge Mädchen werden weiterhin von ihren eigenen Vätern in die Sexmaschinerie geschickt werden, um Geld heimzuschicken. Allerdings könnte Europa froh sein, wenn mehr friedvolle buddhistische Migranten gekommen wären, anstatt aggressiver Islamisten. Denn eines ist sicher, Thais sind fleißig, willig Fremdsprachen zu lernen und auch tolerant allen fremden Kulturen gegenüber und anpassungsfähig. So ist es keinesfalls verwunderlich, wenn so manche Thailandreisende den Aufenthalt im Westen nur als lästige Unterbrechung ihrer Aufenthalte im Paradies betrachten, trotz mancher Schattenseiten.

Thailand/Europa – ein kurzer Kulturvergleich

Wenn der „Farang“, der Westler, auf einem der beiden übervollen Flughäfen Bangkoks gelandet ist, trifft ihn nicht nur der subtropische Klimaschock, sondern auch der Kulturschock, das gänzlich unterschiedliche soziale Verhalten von Asiaten und Europäern. Gerade weil sehr viele Touristen und Geschäftsreisende mangelhaft vorbereitet in der Welt des Buddhismus ankommen, gibt es immer wieder zwischenmenschliche Missverständnisse. Thailand war nie eine Kolonie, die Menschen konnten daher ihre jahrtausende alte, gewachsene Tradition bewahren und ihre Lebens- und Verhaltensweise ist tief verwurzelt. Das äußert sich primär einmal durch lächelnde Höflichkeit, kein nervöses Schreien, keine hektischen Unmutsäußerungen – man wahrt, auch die einst in Europa übliche, Kontenance. Die Maxime, das „Gesichtes wahren“, lässt keine konfrontierende Widersprüche dem Gegenüber zu. Das kann aber auch bedeuten, dass um der Höflichkeit willen so manche Wahrheit auf der Strecke bleibt. Keine Verabredung oder Zusage hat daher unbedingte Gültigkeit, sondern will diplomatisch und einfühlsam kommunikativ ausgelotet sein. Die größte Peinlichkeit ist der „Gesichtsverlust“. Im Umgang mit einem Thai gilt daher das Prinzip des „Djai Yen“, das kalte Herz, eine Art buddhistisch geprägter Gleichmut. Probleme lassen sich nur mit viel Geduld lösen, lautstark protestieren nützt gar nichts. Da es in Thailand keine staatliche Kranken- und Altersversorgung gibt, ist die wichtigste soziale Gruppe die Familie. Kinder schulden ihren Eltern ein Leben lang dank und sie müssen für alle Kosten aufkommen, wenn ihre Eltern krank sind oder nicht mehr arbeiten können. Diese Großzügigkeit ist selbstverständlich und führt bei Kulturübergreifenden Beziehungen immer wieder zu tiefen Rissen. Der Wunsch so mancher westlicher Männer nach der stillen, anschmiegsamen Thaifrau endet oft in einer Partnerschaft. Wer kann es einem, von Genderwahnsinn und linkem Emanzenfrust, nahezu impotent gewordenen Farang verübeln, wenn er sich dem asiatischen Frauenideal zuwendet. Aber nachdem das anfängliche Auflodern Schwindelerregender Leidenschaften nachlässt, wird das Zusammenleben kompliziert. Die meisten Beziehungen zwischen Thai und Farang scheitern wegen der Pflicht Geld und auch Pflege den Eltern zukommen lassen zu müssen. Der Alleinverdienende Westler muss Brautgeld bezahlen, für die Eltern seiner Frau aufkommen und oft ziehen sie auch noch bei ihm ein. Ernüchternd muss die Unvereinbarkeit der kulturellen Normen, speziell der Glaubens- und Werteinhalte, zur Kenntnis genommen werden. Die Freiheit und Unabhängigkeit, eine westliche Selbstverständlichkeit, da mittels staatlicher Versorgung gesichert, soll der totalen Kontrolle durch den Familienclan weichen. In Thailand hingegen bedeutet Freiheit zu erlangen, wenn den Eltern ein Teil der täglichen Existenzprobleme, durch die Kinder, abgenommen wird. Im Westen ist die Welt gnadenlos, dort muss jeder für sich selbst sorgen. In Thailand schützt die Familie den Einzelnen, Privatsphäre und Singledasein sind unbekannt. Das bedeutet aber auch eine streng hierarchisch gegliederte Familien- und Gesellschaftsstruktur mit Unterordnung dem Höhergestellten gegenüber. Die traditionellen Rollenbilder stehen außer Streit, gerade das macht auch den Reiz der Thai-Frauen auf gendergeschädigte Westler aus. Wer von einer Asienreise abseits der touristischen Trampelpfade zurückkehrt und neugierig und offen Thailand, d.h. das Land der Freien, bereist hat, wird fasziniert und bereichert zurückkehren, sicherlich nachdenklich, ob all die westlichen Werte Glück und Zufriedenheit vermitteln.