Albanien - im Land der Skipetaren

Albanien auf dem Weg nach Europa – ein Lokalaugenschein
 
„Die türkische Rechtspflege hat bekanntlich ihre Eigentümlichkeiten, sagen wir geradezu, ihre Schattenseiten, die umso deutlicher hervortreten, je entlegener die Gegend ist, um die es sich handelt“ - so beginnt Karl May´s Albanienbuch „Durch das Land der Skipetaren“, das auch heute noch die Jugend bezaubert. Nur - die Romantik von Pferderitten in den Schluchten des Balkan wurde von modernen Strukturen und zehntausenden Mercedes und BMW Statussymbolen abgelöst. Historisch hat Karl May recht, die Türken und die islamische Gesetzgebung bestimmten die Geschichte Albaniens vom Ende des 14.Jh. bis  zur Gründung der  Republik Albanien durch Ismail Qemali am 28. November 1912. Konnte der Nationalheld Fürst Skanderbeg die Albaner noch erfolgreich vor der Zwangsosmanisierung bewahren, so mussten unter dem Diktat der Muslime Christen Zwangsabgaben, die Dhimisteuer, bezahlen, und wie alle "Ungläubigen" in islamischen Staaten, wurden sie als Menschen zweiter Klasse diskriminiert. Spätestens im 17. Jahrhundert waren daher die Muslime in der Mehrheit, weil der Übertritt zum Islam diese Ausbeutung beendete. Im Untergrund jedoch gab es immer wieder nationale Aufstände. Der spätere kommunistische Diktator Enver Hoxa bekämpfte ab 1939 mit einer Partisanentruppe die italienischen und später die Deutschen Truppen. Albanien hat allerdings trotz Siegerstatus nach dem 2. Weltkrieg eine wenig förderliche Entwicklung aufzuweisen: Bruch mit Jugoslawien, Russland und auch China, führten in eine totale Isolation bis 1990. Die ersten Wahlen 1991 gewannen die Kommunisten und im gleichen Jahr unterzeichnete Albanien die KSZE-Schlussakte und verpflichtete sich damit den europäischen Standards hinsichtlich der Menschenrechte zu entsprechen. Nach einem gewaltigen Lotteriebetrug 1997 folgte ein Bürgerkrieg, der nur unter Eingreifen der OSZE beendet werden konnte, seither normalisierte sich die turbulente politische Lage Albaniens. 2006 wurde das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet, 2009 trat Albanien der NATO bei und reichte den Antrag auf Mitgliedschaft in der EU ein,.Laut Human Development Index gehört Albanien zu den wohlhabenden Staaten. Wer das Land bereist sieht das auch, überall werden die Industrieruinen der Kommunistenzeit durch moderne Anlagen ersetzt, neue Häuser werden gebaut, oftmals mit den Geldern albanischer Gastarbeiter, Autos und elektronische Medien sind allgegenwärtig und internationale Investoren haben das Land entdeckt. Die Preise sind moderat, so kostet ein Kaffee umgerechnet etwa 30 Cent, ein durchaus passables Hotelzimmer 10.- Euro inkl. Frühstück. Wer naiv und unwissend einem Albaner in der EU Asyl gewähren will, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen, angebliche "Schutzsuchende" sind ausschließlich Wirtschaftsflüchtlinge! Ja es wäre durchaus überlegenswert die uns überflutenden Asylantenströme nach Albanien umzuleiten, stehen doch an der adriatischen und ägäischen Küste zehntausende, wenn nicht sogar hunderttausende Hotelbetten leer. Mit den bei uns üblichen Asylanten-Tagessätzen könnten die "Schutzsuchenden" in mediterraner Atmosphäre leben wie Gott in Frankreich! Wenn man bedenkt, dass das Durchschnittsgehalt zwischen 300-750 Euro beträgt, würden unsere Gelder hier zusätzlich Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen, immerhin liegt die Arbeitslosenrate bei mehr als 20%. Man hätte also zwei Probleme gelöst - wohin mit den Asylanten und Aufbaugelder für Albanien, fließen doch jetzt schon Millionen Euro in EU Förderprojekte - entsprechende Hinweistafeln findet man überall. Trotzdem hat der Reisende das Gefühl, dass das Land seinen ursprünglichen Reiz bewahrt hat. Traumstrände, unberührte Natur - speziell im Norden, wo Allradfahrzeuge nützlich sind, Festungen und Burgen, antike Ausgrabungen - all das findet der interessierte Fremde. Albanien ist kein Schariastaat, als laizistische Republik mit einem Moslemanteil von 57 % ist das Straßenbild nicht von Kopftuchfrauen und bärtigen Imamen geprägt, ja die liberalen Bektaschi, ein islamisch alevitischer Derwischorden, praktizieren einen durchaus EU tauglichen Islam. Unübersehbar sind noch viele, der ehemals hunderttausende Bunker im ganzen Land. "Das Vaterland zu verteidigen ist eine Pflicht über allen anderen Pflichten" war die Maxime Envar Hoxhas und jede Familie musste daher solch einen Bunker bauen. Genauso wie es zu Zeiten Hoxhars Korruption und Vetternwirtschaft gab, verortet Transparency International Albanien weltweit auf Platz 116 bei 177 untersuchten Ländern. Mafiaclans sind gewalttätig in dunkle Geschäfte verwickelt und es gibt auch noch einige Fälle der vielzitierten Blutrache. Trotzdem ist das Land der Skipetaren auf dem Weg Richtung Europa, die derzeitige Regierung bekämpft alle Gaunereien mit großer Härte. Tausende Soldaten etwa stürmten im vergangenen Jahr das berüchtigte Drogendorf Lazarat und vernichteten die Haschischfelder. Bei den festgenommenen Mafiosi wurden etwa 1,2 Milliarden Euro sichergestellt, fast soviel wie das Jahresbudget Albaniens.
Eine Reise nach Albanien ist trotz all der modernen Fortschritte immer noch ein Abenteuer oder eine Erholung, ganz wie man das Ziel solch einer Erkundungstour ansetzt - einfach anschauen, die AUA fliegt täglich von Wien nach Tirana. Shihemi pastaj!