Zypern

aphrodite

Zypern, die Insel der schaumgeborenen Aphrodite, ein mediterranes Bilderbuch zwischen Orient und Okzident.

„Das kulturelle Erbe eines Volkes ist sein wichtigster Besitz, der ihm seine Identität verleiht, das Gefühl für Kontinuität durch die Zeiten. Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel und hat wegen seiner Lage am Schnittpunkt dreier Kontinente eine bewegte Geschichte.“ So stimmt die Fremdenverkehrszentrale Zyperns in ihrem offiziellen Prospekt den kulturinteressierten Besucher ein. Das neue EU-Mitgliedsland warnt aber auch ganz offen, dass der Gast große Unterschiede im Vergleich des wirtschaftlich blühenden griechischen Südteils zum 1974 gewaltsam von türkischen Truppen niedergeworfenen Nordteils vorfinden wird: „Die türkische Besatzungspolitik zielt auf eine systematische Änderung der Kultur im besetzten Gebiet. Als Folge dieser Politik wurde ein großer Teil des kulturellen Erbes in diesem Gebiet zerstört“. Besonders in der klimatisch angenehmen Vor- und Nachsaison kann sich der Besucher selbst ein Bild davon machen, wie zutreffend diese Aussagen sind. Der griechische Südteil erlebt zur Zeit ein wahres Wirtschaftswunder. Auf der ganzen Insel ist rege Bautätigkeit unübersehbar, die siebentgrößte Handelsmarine der Welt ist auf allen Meeren präsent, zyprischer Wein wird exportiert und eine dynamische Expansion schreitet unaufhaltsam voran. In den Städten blüht der Handel und die riesige Anzahl an Fremdenverkehrseinrichtungen lässt erahnen, was sich im Sommer an Massentourismus abspielen muss.

Bei der Abstimmung zur EU-Mitgliedschaft hat die überwältigende Mehrheit der Zyprioten eine Vereinigung mit den Türken abgelehnt, trotz massiver Intervention der EU-Gleichmacher. Die Grenze zwischen Nord und Süd, die Green-Line, wurde viele Jahre von österreichischen UN-Soldaten überwacht. Mittlerweile ist ein Grenzverkehr möglich und ca. 10 000 Türken werden von den unternehmerisch aktiven Zyprioten beschäftigt.

Ein Aufenthalt im Südteil der Insel ist ein einmaliges Erlebnis. Die Menschen, tolerante griechisch-orthodoxe Christen, sind äußerst gastfreundlich. Prachtvolle Kirchen und Klöster, mit leuchtenden, 1000 Jahre alten Fresken, sind überall anzutreffen. Speziell im Troodos-Gebirge findet der auch Ruhe und Einkehr suchende Pilger  einzigartige byzantinische Kulturschätze, welche von der UNESCO zum Teil auf die Weltkulturerbe-Liste gesetzt wurden. So sind die „Scheunenkirchen“ weltweit einigartig. Außen einfach gestaltet, um Verfolger der Glaubensausübung nicht anzulocken, findet man in Inneren künstlerisch hochwertigste Ikonostasen und bildhafte Glaubensdarstellungen. Auf 1300 m Höhe liegt das berühmte Kykkos-Kloster. Dort wird der wehrhafte Erzbischof Makarios III wie ein Heiliger verehrt. Er war an der Organisation des bewaffneten Freiheitskampfes ab 1955 gegen die englische Kolonialherrschaft maßgeblich beteiligt. 1960 wurde Zypern eine unabhängige Republik und der „Eiserne Erzbischof“ erster Staatspräsident. Die Engländer sind allerdings bis heute auf zwei großen Militärbasen präsent. Wenn man die kühlen Berghänge des Landesinneren Richtung Küste verlässt, stößt man auf viele, die Phantasie anregende, sagenumwobene antike Ausgrabungsplätze. So sind die ausgedehnten Mosaikfußböden in Pafos einzigartig. Sie lassen uns teilhaben am Dyonisoskult mit der lustvollen Verbindung von Liebe und Wein. Der Aphroditekult war auf der Insel weit verbreitet und was in den Tempeln der Liebesgöttin für erotische Opfer gebracht wurden, lässt noch heute die Phantasie der Besucher erhitzen. So sollen sich die jungen Dienerinnen der Aphrodite den Pilgern hingegeben haben und Tempelprostitution war anscheinend Bestandteil der dort praktizierten Rituale. Blutig hingegen verlief die Hochzeitsreise von Richard Löwenherz, der die Insel eroberte und an den Tempelorden verkaufte. Die Kreuzritter mussten sich jedoch  1570 den Türken ergeben, die 20 000 Christen niedermetzeln, obwohl sie dem venezianischen Befehlshaber Marc Antonio Bragadino freien Abzug zugesichert hatten. Die mächtigen Wehranlagen von Kolossi, Limossol oder Nikosia beeindrucken noch heute den Besucher. Bei einem süffigen Glas zyprischen Weines denkt man auch an die Verbindung von Richard Löwenherz mit der Wachau. Kultur, Geschichte, Flora und Fauna, aber speziell die freundlichen Menschen, machen einen Aufenthalt im südlichen Teil Zyperns überaus spannend und die vielfältigen Möglichkeiten bieten jedem Besucher die Erfüllung seiner individuellen Urlaubswünsche.