Kambotscha

Album 10 401

Kambodscha – das Land der lächelnden Khmer

Von der Hochkultur Ankor Wat  zu den Killing Fields der Steinzeitkommunisten

Historisch - kultureller Hintergrund:

Wo heute die fünf Länder - Kambodscha, Vietnam, Laos, Thailand und Myanmar – eigenstaatlich existieren, lag vom 6. bis zum 13. Jahrhundert das mächtige Khmer – Imperium. Diese Hochkultur schuf Ankor, die größte Ansammlung religiöser Tempel auf der Welt. Voraussetzung für die Entstehung dieser sakralen Weltwunder und der angeschlossenen Millionenstadt war eine Lebensmittelüberproduktion. Eine hochentwickelte Bewässerungstechnik und riesige Reservoire ermöglichten die Nutzung der Wassermengen aus den Monsunregen, auch während der Trockenperiode. Dadurch konnten bis zu drei Reisernten pro Jahr eingebracht werden, eine Leistung, von der man im 21. Jahrhundert nur träumen kann. Diese Wasserbautechnik schuf die Voraussetzung, dass Künstler, Handwerker, Priester und große Menschenmassen immer gigantischere Kultstätten errichten konnten, da sie von der Gesellschaft ernährt wurden. Die Tempel stellten einen Mikrokosmos, angelehnt an indische Weltvorstellungen dar. Mittelpunkt der Welt und Göttersitz war der Berg Meru, das Zentrum des Tempels, ein steiler Turm, von pyramidenförmigen Terrassen umgeben, der nach dem Tod des Königs zu dessen Mausoleum wurde. So wurde der Monarch selbst zu einem Gott, da er sich mit der Gottheit des Tempels vereinigte. Der gigantische Aufwand beim Tempelbau führte zu einer Vernachlässigung der Bewässerungsanlagen und zum Niedergang dieser Gottkönigs- oder Devaraja-Kultur. Der Dschungel überwucherte die Anlage von Angkor und 1Million Touristen, welche jährlich dieses Weltkulturerbe besuchen, sind vom exotisch – romantischen Reiz gefangen, der von diesen mächtigen Urwaldriesen ausgeht, welche die Ruinen mit krakenartigen Wurzeln umklammern, einerseits zerstören aber andererseits zusammenhalten.

Heute ist das Land der Khmer von einer Hochkultur weit entfernt. Das Erbe einer furchtbaren historischen Vergangenheit hat Kambodscha zu einem der ärmsten Länder der Erde gemacht.

Drei Völker - die Cham, die Thais und die Vietnamesen - bedrängten im 17. und 18. Jahrhundert „Kambuchea Krom“ so stark, dass nur mehr ein Anschluss an das französische Protektorat „Union Indochinoise“ im Jahre 1887 die Khmer retten konnte. Die Kolonialmacht Frankreich blieb bis 1954, von der japanischen Okkupation 1941 bis 1945 unterbrochen. Der unheilvolle kommunistische Einfluss begann bereits 1930 mit der antifranzösischen Widerstandsbewegung Indochinas unter Ho Chi Minh. Nach der Niederlage im Kessel von Dien Bien Phu entließ Frankreich 1954 Kambodscha in die Unabhängigkeit. Dem bereits 1941 inthronisierten Prinz Norodon Sihanouk gelang es vorerst alle Einmischungsversuche der kommunistischen Vietminh abzuwehren, allerdings wurden Teile Ostkambodschas im Zuge des Vietnamkrieges zu einem Teil des „Ho Chi Minh Pfades“. Die Amerikaner bombardierten diesen Versorgungsweg und unterstützten General Lon Nol bei einem Militärputsch, der mit seinen Truppen in weiterer Folge an der Seite der USA am Vietnamkrieg teilnahm. Der gestürzte Sihanouk organisierte mit Hilfe der Kommunisten Kambodschas und Chinas einen Guerillakrieg gegen die Lon Nol – Regierung. Die Macht nach dem Abzug der USA 1975 ergriff jedoch Pol Pot mit seinen brutalen Roten Khmer. Er setzte die urkommunistische Gleichheitsidee radikalst um. Alle, welche intelligenter waren als die Masse des Volkes, wurden getötet. Der Rest war gleich, so gleich, dass es gleicher nicht mehr gehen konnte.

Der Steinzeitkommunismus unter Pol Pot:

Der bedrückende Film „The killing fields“ (schreiendes Land), nach einem authentischen Bericht des Reporters Sydney Schanberg, zeigt beeindruckend, wie Pol Pot, der „Bruder Nummer 1“ die einstige Hochkultur der Khmer in einen unmenschlichen Urzustand zurückversetzte. Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ beziffert unter: „Die Verbrechen des Kommunismus“ die Gesamtopferzahl  weltweit mit über 100 Millionen Toten, davon entfallen auf die Mörder Pol Pots über 2 Millionen Tote Khmer. Neuhauser zitiert unter: „Der Holocaust Pol Pots in Zahlen“ vietnamesische Schätzungen von über 3 Millionen Opfer – erschlagen, verhungert, durch Zwangsarbeit erschöpft, vertrieben. Liquidiert wurde speziell die städtische Bevölkerung  Kambodschas zwischen 1975 und 1978. Diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden jedoch nie gesühnt, da in der Verwaltung, Politik und einflussreichen Positionen bis heute Kader der Roten Khmer tätig sind. Ein Tribunal soll die Vergangenheit aufarbeiten, aber dieses Vorhaben hat nur Alibicharakter. Die Ideologie der bedürfnislosen Gleichheit und das Ziel, Kambodscha in einen steinzeitlichen Agrarstaat zurückzuversetzen, wurde erreicht.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass in Gunnar Heinersons „Lexikon der Völkermorde“ unter „Leugnung der Völkermorde“ ausgerechnet der linke Vertreter der Frankfurter Schule, Herr Doktor Jürgen Habermas, angeführt wird. Der Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und des Geschwister – Scholl Preises (!), verharmloste den Millionenmord der Roten Khmer als bloßen „Terror des Pol – Pot – Regimes in Kambodscha“. (Übrigens bezeichnete er die Ausrottung von über 10 Millionen Kulaken durch Stalin auch nur als „Vertreibung“.  So kann man Ökonomizide, Religiozide, Politizide und Genozide auf linker Seite straflos leugnen.)

Weitere Entwicklung:

Bedroht von einer gigantischen Hungersnot, kam es im April 1983 zu einer Massenflucht ins benachbarte Ausland und Vietnam besetzte daraufhin Kambodscha. Erst 1993, unter Aufsicht der seit 1990 im Lande befindlichen 20.000 UNO Soldaten und UNTAC Mitarbeiter, konnten die ersten freien Wahlen abgehalten werden. Die royalistische Partei FUNCINPEC gewann und die Monarchie wurde wieder eingeführt. Der alte König Norodon Sihanouk wurde im Vorjahr von seinem Sohn Norodon Siharmoni in einer prunkvollen Inthronisierungsfeier abgelöst. Der neue König ist an Politik nicht interessiert, studierte den Balletttanz und liebt die Frauen wie seine Schwestern. Die wahre Macht liegt in den Händen eines korrupten Systems und Geld fließt in private Taschen. Alles ist käuflich, denn ausländische Investoren sichern sich die besten Plätze, um in Tourismusprojekte zu investieren und die Jagd nach den Dollars der Reisenden hat begonnen. Speziell das Weltkulturerbe Ankor, mit etwa 1 Million Besuchern jährlich, entwickelt sich zu einer Geldmaschine. Die Khmer wurden wieder, diesmal vom Kapitalkolonialismus, zu billigen Arbeitskräften degradiert. Wer die Pracht des Königspalastes in Phnom Penh erlebt und das Elend der Minenopfer vor diesem goldglänzenden Gebäude sieht, dem wird die Armut der freundlichen Khmer schmerzhaft bewusst. Viele Kinder betteln oder müssen arbeiten, die Analphabetenrate liegt daher noch immer über 50 Prozent. Der Zugang zu guter Ausbildung ist kostspielig. Um  Ausbildungsplätze und Zeugnisse wird gefeilscht. Bei Prüfungen kaufen die Eltern die Antworten und werfen diese um Steine gewickelt in das Klassenzimmer. Angeblich werden dabei immer wieder Schüler verletzt. Die Nachkriegsentwicklung ist noch in der Anfangsentwicklung. Auch liegen im Norden Kambodschas noch Millionen Minen und einige Stämme der Cham an der Grenze zu Thailand wehren sich in einem aussichtslosen Kleinkrieg gegen ein Staudammprojekt, welches ihren Lebensraum zu vernichten droht.

Tourismus und Wirtschaft:

Kambodscha ist noch ein billiges und sicheres Reiseland. Etwa 8.000 deutschsprechende Reisende besuchen jährlich Angkor und die kleine, aber feine Küstenregion um Sihanouk Ville. Zumeist einfache, aber preiswerte Unterkünfte stehen zur Verfügung. Wer über Zeit und abenteuerliche Eigeninitiative verfügt, kann auf einer einsamen Insel um einige wenige Dollar wunderbare Tage verbringen, abseits der zehntausenden Japaner, welche eigentlich nur pausenlos Tempel fotografieren wollen. Ab Oktober, nach der Regenzeit ist auch das Klima angenehm und wer die sich an einfachste hygienische Regeln hält, wird das landesübliche Essen problemlos vertragen. Fische aus dem  Tonle Sap See, mit seinen schwimmenden Dörfern, Reis von den überfluteten Feldern und Früchte aus familiärem Anbau, sind auf Märkten und bei kleinen Garküchen  für wenig Geld erhältlich. Über 70 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, der Ertrag ist meist bescheiden. Das zeigt auch das Bruttosozialprodukt, welches mit 280 Dollar pro Einwohner äußerst gering ausfällt. Gerne gesehenes Zahlungsmittel ist der US Dollar, von Europa und seinem Euro weiß der Khmer wenig. Weiße Reisende werden als „Langnasen“ (Barang) bezeichnet und der Europäer generell mit den einstigen Kolonialherren, den Franzosen, gleichgesetzt. Die Erinnerungen sind nicht unbedingt positiv. Noch gibt es in ganz Kambodscha keinen McDonald und nur ein einziges, wenig frequentiertes, Kaufhaus in der Hauptstadt Phnom Penh. Das Leben spielt sich auf den bunten, exotischen Märkten ab. Noch spürt man die touristische Routine nicht, noch ist der Fremde kein unzumutbarer Eindringling. Allerdings fand mit den UN Soldaten auch die Prostitution Einzug im Land der exotischen Schönheit und „Taxigirls“ aus Vietnam, keinesfalls AIDSfrei, sieht man leider mit fetten, unansehnlichen „weißen“ Männern herumflanieren. Auch Kinderprostitution ist eine schändliche Folge der Plage Tourismus, übrigens wird ein ertappter Unhold strengstens bestraft. Die Bevölkerung ist jung, rund die Hälfte der 12 Millionen Khmer ist unter 20 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung allerdings mit 53 Jahren noch relativ nieder. Trotz sichtbarer Bescheidenheit trifft man nur freundliche Menschen, eine positive Aufbruchstimmung ist erkennbar. Im Straßenverkehr, der übrigens ohne erkennbare Regeln abläuft, gibt es keinerlei rechthaberische Streitereien. Die oft mit fünf Personen besetzten Mopeds und auch schon zahlreiche Autos fließen, ohne Stau, flott dahin. Am Abend fahren die Khmer einfach herum, um sich zu amüsieren, das eigene Fahrzeug ist bereits zum Statussymbol geworden. Der europäische Reisende muss einfach sich einfach anpassen, dann wird er bald die Gelassenheit der Khmer annehmen.

Religion:

In Ankor waren die Tempel ursprünglich dem Gott Vishnu gewidmet, also hinduistisch orientiert. Erst 1432, unter König Ang Chan fand der Buddhismus in Kambodscha Einzug. Zahlreiche Statuen und Reliefs der Khmer – Kultur zeigen die Verschmelzung der hinduistischen mit der buddhistischen Tradition. Heute gehören über 90 Prozent der Bevölkerung dem Theravada Buddhismus an, welcher einen großen Einfluss auf das tägliche Leben hat. In jedem Dorf gibt es ein „Wat“, einen buddhistischen Tempel und viele männliche Kambodschaner verbringen eine gewisse Zeit in solch einem Kloster als Mönch. Nach der gottlosen Pol Pot Zeit werden wieder buddhistische Rituale nach dem Mondkalender gefeiert. Auch Wahrsager sind überall anzutreffen, sie bestimmen nach astrologischen Gesichtspunkten Hochzeitstermine und andere wichtige Entscheidungen. Auch die Tanztradition, welche ihren Ursprung im heiligen Tanz der Apsarasen, den mythischen Verführerinnen des alten Kambodscha hat, darf wieder zelebriert werden. Der Tanz der himmlischen Nymphen ist ritualisiert und nach fünf Studienjahren beherrschen die Tänzer über 4.000 Grundpositionen. Die Roten Khmer haben nicht nur fast alle Tänzer ermordet, auch Noten und Choreographie wurde zerstört, sodass die noch lebenden Lehrer ihre alte Kultur aus dem Gedächtnis rekonstruieren mussten. Für europäische Ohren ist die an balinesische Gamelanklänge angelehnte Musik allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Sicherlich trägt die Religion und die damit verbundene Kultur zur Gelassenheit der Khmer bei, Hektik oder Zornausbrüche sind ihnen fremd. Der Tourist, der sich lautstark darüber beschwert, dass nicht sofort Warmwasser aus seiner Dusche kommt, wird für sein Anliegen kein Verständnis finden.

Ausblick:

Die wirtschaftliche Erholung und menschliche Regeneration im Land der Khmer, nach der dunklen Zeit der Steinzeitkommunisten, ist angelaufen. Sicherlich ist dieses Land noch ein Eldorado für Individualreisende und Entdecker. Die Menschen sind freundlich und liebenswert, doch bald wird auch in Kambodscha die ganze Welt versammelt sein und Massentourismus verdirbt bekanntlich den Charakter. Möge die Herrschaft von Shiva, dem Gott der Zerstörung, im Land der Khmer auf den Schöpfer- und Bewahrergott Vishnu übergehen. Die Khmer haben es nach vielen Jahren des Leidens verdient endlich in Frieden und Unabhängigkeit zu leben.