Dubai

Dubai

 

Das Emirat Dubai

Wüste, Öl und Skilauf – ein arabisches Disneyland

Sie wollen bei 40 Grad an einem Sandstrand in der Sonne braten und danach Ski laufen? Kein Problem, reisen sie nach Dubai, denn dort ist alles gigantisch, maßlos und gotteslästerlich. Genauso wie beim Turmbau zu Babel könnte es allerdings auch in Dubai kommen: Über neunzig Prozent der Einwohner sind Fremdarbeiter aus der ganzen Welt und der Staat kann seine Prestigeprojekte kaum mehr bezahlen. Die Ölquellen sprudelten ab 1966 und die, ursprünglich als Perlentaucher, Piraten und Kamelzüchter agierenden Wüstenbewohner, wurden ohne ihr Zutun mit materiellem Ölreichtum überschüttet - bis 2009. Es entstanden futuristische Wolkenkratzerviertel, Luxushotels der Siebensternekategorie mit goldenen Badezimmerarmarturen, Skihallen und künstliche Inseln in Form von Palmen. Doch dann brach auch über Dubai die globale Finanzkrise herein. Nur mit Hilfe von Abu Dhabi konnte der symbolische Riesenphallus, das höchste Gebäude der Welt, fertig gestellt werden, weshalb der Turm nun Burj Khalifa, nach dem Scheich von Abu Dhabi heißt – ein demütigender Kastrationspfahl im Herzen Dubais. Das Sprachenwirrwar hat biblische Dimensionen und ist im Alten Testament, Genesis 11,1 – 9, vorweggenommen, denn die sich dem Müßiggang hingebenden Emirater sind in der Minderheit. Ohne die Arbeitsmigranten aus Indien, Pakistan, Bangladesch, den Philippinen, Sri Lanka aber auch aus Afrika, Europa, den USA würde die Wirtschaft Dubais zusammenbrechen. Meist müssen die islamischen Arbeiter bei der Einreise einen Gesundheitstest bestehen und ihren Pass abgeben, denn ohne Arbeitsplatz gibt es keine Aufenthaltsbewilligung. In Dubai ist der Islam Staatsreligion und, wie in allen 57 islamischen Staaten weltweit,  gilt als Staatsrecht die Scharia, das Gottesgesetz Allahs. In den Kairoer Erklärungen der Menschenrechte wurden 1990 von den Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz damit die von der UN deklarierten Menschenrechte außer Kraft gesetzt. Das hatte bereits auch für Arbeitsmigranten aus Österreich böse Konsequenzen. So wurde ein steirischer Arzt zum Tode verurteilt, eine vergewaltigte Frau wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr verhaftet und angehalten, ihren Vergewaltiger zu ehelichen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum selbst Moslems in ihren Bruderländern nicht um Asyl ansuchen, es gibt in den Vereinigten Arabischen Emiraten nämlich keine Asylanten, Bettler oder Wirtschaftsflüchtlinge, weil es auch keine Sozialleistungen gibt. Es gibt nur zahlende Touristen oder arbeitende Ausländer. Ja es ist noch viel schlimmer, denn es gilt das „Kafalaprinzip“ - dies bedeutet, dass jeder ausländische Arbeitnehmer einen einheimischen Bürgen, Kafil genannt, benötigt. Manche Arbeitsverhältnisse knüpfen an die im Islam praktizierte Sklaverei an. So machte Dubai 2006 von sich reden, als gegen den Emir Scheich Muhammed bin Raschid Al Maktum in Miami ein Prozess wegen organisierter Sklaverei mit 30.000 versklavten Kindern geführt wurde. Parallel dazu einigte sich Dubai mit UNICEF darauf, 1.000 als leichtgewichtige Kamel-Jockeys missbrauchte Kinder wieder ihren Elternfamilien zuzuführen und für alle Kosten aufzukommen. Trotzdem wird weiterhin von 10.000 Kindern aus Bangladesch, dem Süden Indiens, dem Sudan und Äthiopien ausgegangen, die in den Golf-Staaten als Kamel-Jockeys eingesetzt werden. Das sollte jedem Besucher dieser arabischen Kunstwelt bewusst sein – als Tourist ist man nahezu rechtlos und man unterwirft sich der Scharia, auch wenn die Glitzerwelt aus 1001 Nacht eine Märchenwelt vorgaukelt. Dubai wirbt um Gäste, denn nach dem Ölboom setzt man nun auf Einnahmen aus der Touristikbranche. Die riesige Luftflotte von „Emirates“ fliegt nicht nur des billigen Treibstoffs wegen die Drehscheibe Dubai an, speziell mit „Stopp over“ Angeboten versucht man so die Auslastung der enormen Bettenkapazität zu erreichen. Da gibt es schon so manche günstige Möglichkeit im Hotel Kempinski oder im Burj al Arab einmal zu nächtigen. Wer nach einem Shopping Bummel in der Dubai Mall mit den 1200 Geschäften wenigstens ein bisschen arabischen Flair schnuppern will findet im Bastakia Viertel die Stoff- oder Goldhändler im alten Suq – Inder oder Pakistani versteht sich! Eine abendliche Bootsfahrt auf dem Dubai Creek lässt den vom gesehenen Luxus benebelten Reisenden vergessen, welch enorme Umweltprobleme verschleiert werden. Riesige Meerentsalzungsanlagen sichern nicht nur Trinkwasser, sondern jeder der tausenden Palmen einen eigenen Bewässerungsschlauch. Und die vielgerühmte Palme, die künstlich aufgeschüttete Insel im Meer mit den fantastischen Luxusvillen, wird nur durch nachträglich eingebaute Unterwassersprudler vor stinkendem Brachwasser bewahrt. Die Skihalle braucht ein eigenes Kraftwerk – aber wer denkt an so was, wenn er endlich einen in blütenweiß gewandeten Dubaieinwohner sieht, dem vier tiefschwarz vollverschleierte Frauen in gehörigem Respektabstand folgen – Moslem müsste man halt sein!