Zehn Milliarden Menschen - die Überbevölkerung unseres Lebensraumes!

10 milliarden

Während zukunftsblinde Politiker darüber nachsinnen wie sie unsere stagnierende Geburtenrate steigern können, warnen Umweltwissenschaftler wie Stephen Emmott vor den dramatischen Folgen der ungebremsten Bevölkerungsexplosion: Lebten vor 10 000 Jahren etwa eine Million Menschen auf der Erde, waren es um 1800 eine Milliarde, vor 50 Jahren dann schon 3 Milliarden, jetzt 7 Milliarden, 2050 absehbar neun Milliarden und gegen Ende dieses Jahrhunderts mindestens 10 Milliarden. Aus Emmotts Sicht steuern wir damit unweigerlich auf eine Katastrophe zu, denn die ökologischen Folgen des dramatisch anwachsenden Umweltverbrauchs werden, wie er mit zahlreichen Daten aus unterschiedlichsten Bereichen überzeugend belegt, nicht beherrschbar sein.

Was Energieverbrauch, Ernährungs- und Konsumverhalten, ja unseren gesamten Lebensstil betrifft, könnte nur ein radikales Umsteuern Rettung bringen. Doch für einen so tiefgreifenden Wandel sieht Emmott nirgendwo Anzeichen. Im Gegenteil: Die globalisierte Risikogesellschaft scheint nur ein Ziel zu kennen: Exponentielles Wachstum.

Ob es sich um den Anstieg der Meeresspiegel handelt, den C02-Ausstoss, die Produktion von umweltzerstörenden Automobilen, die Steigerung nicht nachhaltiger Landwirtschaft sowie den damit verbundenen Wasserverbrauch, den Kohleverbrauch und vieles mehr - in fast allen Bereichen zeigen die Verlaufskurven, die er zur Illustration anführt, nur eine Richtung: Sie weisen steil nach oben.

In stakkatoartigen Thesen skizziert er in scharfen Strichen das absehbare Menetekel und stellt den Leser damit auf eine harte Probe, denn wo andere Umweltautoren beruhigende Weltrettungsszenarien entwerfen fasst er in der englischen Ausgabe seine Erkenntnisse in einem Vierbuchstabenwort zusammen, das man nur in gemäßigten Deutsch wiedergeben kann: Wir sind am Ende.

Spätestens hier fragt sich der Leser: Handelt es sich bei Emmotts Zuspitzung um eine absichtsvolle Provokation oder überzogenen Pessimismus, werden doch optimistische Technoutopisten wie der Zukunftsforscher Michio Kaku nicht müde, uns zu erklären, unser Erfindungsgeist werde diese Probleme lösen. Emmott kann da nur abwinken, denn seine Tabellen und Daten weisen in eine ganz andere Richtung und er verweigert sich, einfache Lösungen für unlösbare Probleme anzubieten.

Wenn dem so ist - und vieles spricht dafür - warum sollte man dann dieses Buch lesen? Als Erziehungswissenschaftler würde ich kritisieren, dass eine solche katastrophische Zuspitzung, wie sie Emmott liefert, zur Abstumpfung führt, denn wer diese Daten ernst nimmt, müsste sofort in Panik ausbrechen, zumal, wenn er Kinder hat oder sein Wissen verdrängen. So bleibt der Leser angesichts dieses apokalyptischen Szenarios ratlos zurück und kann nur hoffen, dass es - allen Beweisen zum Trotz - doch noch einen Ausweg gibt. Immerhin wissen wir, dass es in der Zukunftsforschung nur eine Gewissheit gibt: Der Zeitgeist irrt immer. Vielleicht irrt Emmott, auch wenn die Daten und Trends, die er anführt, ihn zu bestätigen scheinen.

Emmotts Provkation besteht darin, dass er es nicht dabei belässt, uns mit beunruhigenden Fakten massiv zu konfrontieren, sondern auch noch darüberhinaus uns die Hoffnung auf realistische Eingriffsmöglichkeiten zerstört. Aus seiner Sicht handelt es sich bei den meisten derzeitigen Umweltmaßnahmen wie etwa der "Energiewende" um wirkungslose Alibiveranstaltungen. Soviel Pessimismus ist schwer zu ertragen und vielleicht gerade deswegen zutreffend.

Fazit: Datengesättigter apokalyptischer Ausblick auf die nahe Zukunft, der ratlos macht