Das Märchen vom ewigen Wachstum

wachstum

Ach wie gut dass niemand weiß….

Das Märchen vom ewigen Wachstum.

Kaum sind die Nationalratswahlen langweilige Vergangenheit, erfahren wir, dass etwa eine Million Österreicher kaum lesen kann, hinzu kommen noch einige hunderttausend passive Analphabeten, die zwar lesen können, das Gelesene jedoch nicht verstehen. Aber für ein Kreuzerl in der Wahlkabine hat’s gereicht. Manchen hat der Imam in der Moschee ja ohnehin den richtigen Tipp gegeben und wieder andere glaubten den Schalmaienklängen der neuen Paradiesversprecher des ewigen Wachstums. Gesagt haben sie es nicht so genau, die NEOs oder „die mit den transparenten Werten“, wie das gehen soll mit dem Umverteilen und Beglücken ohne neue Verschuldung und ohne neue Steuern, am Ende wären sie dann doch nicht mit einem Kreuzerl belohnt worden. Aber jetzt ist einmal fünf Jahre Narrenfreiheit angesagt, dann geht das Spiel von vorne los, nur – selbst dem simpelsten Wähler dämmert es langsam, dass da irgendwo was faul ist im Staate Österreich. Nicht nur dass die Inflation die Sparguthaben und Lohnsteigerungen auffrisst, nein – auch die Staatsverschuldung jedes einzelnen Staatsbürgers vermehrt sich von Sekunde zu Sekunde, wie die Staatsschuldenuhr auf www.staatsschulden.at erschreckend zeigt. Schulden werden ohnehin nicht zurückgezahlt, nur vermehrt, aber selbst die jährliche Zinsbelastung ist pro Erwerbstätigen steigend – derzeit fast 2.000.- Euro jährlich. Dabei weiß selbst der Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschusses, Prof. Bernhard Felderer, nicht so genau wie viele Schulden dem einzelnen Staatsbürger von seinen Politikern aufgezwungen wurden. Da gibt es etwa total verschuldete staatsnahe Betriebe, wie ÖBB oder ASFINAG, die wohlweislich nicht in der Negativbilanz aufscheinen. Wie viel Steuergeld die Länder und Kommunen verspekuliert haben weiß auch niemand und welche Haftungen aus Bankenpleiten und EU-Rettungsschirm noch schlagend werden steht in den Sternen.  Dabei regeln die Maastricht Kriterien genau was erlaubt wäre, nämlich: das Haushaltsdefizit darf nicht mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen, die Schuldenquote darf nicht mehr als 60 Prozent des BIP überschreiten, die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozent über dem Durchschnitt der drei besten EU-Länder liegen. So gesehen ist Österreich eigentlich pleite, denn wenn man zu den 74,1% des BIP aus dem Jahre 2012 alle anderen Verbindlichkeiten addieren würde, ja dann fehlt auf 100% des BIP sicherlich nicht viel. Aber unsere und die weltweite Industrie soll ja all das mit künftigem Wirtschaftswachstum finanzieren. Wie das gehen soll? Es ist natürlich nicht machbar, wie Jorgen Randers in seinem neuen Bericht an den Club of Rome – 40 Jahre nach „Die Grenzen des Wachstums“ stichhaltig in seinem Buch: „Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre – 2052“ wissenschaftlich nachweist: „Als Wissenschaftler hatten wir zu überlegen, was geschehen würde, wenn Weltbevölkerung und Weltwirtschaft sich für ungefähr weitere 100 Jahre in ähnlicher Weise entwickeln würden wie in jüngster Zeit. Man braucht keine große Kompetenz in quantitativen Methoden, um zu erkennen, dass unser Planet dafür viel zu klein ist und dass die Menschheit im Laufe der nächsten 50 Jahre auf ernsthafte Probleme zusteuert.“ Sein Fazit: „Es ist überraschend schwierig, optimistisch zu bleiben, wenn man im tiefsten Herzen weiß, dass die Welt auf eine Katastrophe zusteuert.“

Wie entwickelt sich nun ein ganz entscheidender Faktor, nämlich die Weltbevölkerung? Dazu Zahlen aus Stephen Emmotts Buch: „Zehn Milliarden“ – er erklärt die Menschheitsentwicklung in Form einer Exponentialfunktion: Vor 10.000 Jahren lebten eine Million Menschen auf der Erde, um das Jahr 1800 etwa eine Milliarde, vor 50 Jahren drei Milliarden, heute bereits über sieben Milliarden und um das Jahr 2050 werden es mindestens zehn Milliarden Menschen sein. Ganz anschaulich zeigt dies die sich rasend drehende Weltbevölkerungsuhr auf www.weltbevoelkerung.de – Zuwachs der Weltbevölkerung pro Tag: 237.427 Menschen, also täglich etwa eine Stadt mehr an Menschen in der Größe von Graz (pro Sekunde! 2,75 Menschen mehr). Das heißt natürlich, mehr Bedarf an Lebensmittel, mehr Autos, Computer, Bekleidung, Wohnraum, Wasser, Kanalisation etc. und vor allem Energie. Es wird mehr Trinkwasser verbraucht werden, das jetzt bereits knapp ist, es werden vermehrt Wälder abgeholzt werden müssen um landwirtschaftliche Anbauflächen zu schaffen, der Transport wird zunehmen und damit verbunden wird der Ausstoß von Treibhausgasen,  vor allem von Kohlendioxid und Methan, den Klimawandel rapide beschleunigen.

Die Ersatzreligion des grenzenlosen Konsums, meist auf Kredit, und die Anbetung des Wirtschaftswachstums steuert die ganze Menschheit in den Untergang. Das Auto als Götze Nummer eins wurde seit seiner Erfindung bis heute etwa 2,6 Milliarden fach produziert. In den nächsten 40 Jahren prognostizieren die Wirtschaftsforscher, dass vier Milliarden (4.000.000.000) von diesen Dreckschleudern die Fabriksbänder verlassen werden – und das bei knapper werdenden Ressourcen und Problemen der nachhaltigen Entsorgung und Wiederaufbereitung. Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen, aber all diese längst bekannten Fakten haben weder den Konsument noch die politischen Verantwortungsträger zu einem zukunftsträchtigen Umdenken veranlasst, noch gibt es auch nur ansatzweise Konzepte, wie die aufgezeigten Probleme zu lösen sind. Politiker wollen gewählt werden, daher macht sich kein Volksvertreter Gedanken darüber, dass die Zukunft dieser Wachstumsphilosophie zu einer Verknappung aller Ressourcen führen muss, wie sollten sie das auch erklären, ohne abgewählt zu werden! Der Wähler will nicht Einsparungen, er ist gierig, er will mehr, immer mehr, unendlich mehr! Das wird zu gewaltsamen sozialen Unruhen führen, ja es wird zu einem Kampf um Wasser und anderen lebensnotwendigen Gütern kommen. Gewaltige Migrationsströme werden weltweit die Folge dieses jahrzehntelangen politischen Missmanagements und der Realitätsverweigerung sein. Dem unmündigen Bürger wurde von den machtgierigen politischen Parteien ein falscher Glaube an ein konsumgetriebenes und mit exzessiver Verschuldung unterstütztes Wirtschaftsmodell vorgegaukelt, welches in alle Ewigkeit den Wohlstand für alle gewährleisten soll. Christian Ortner hätte in seinem Buch: „Prolokratie – demokratisch in die Pleite“ eine Vorschlag, wie eine mögliche zukünftige Volksvertretung aus diesem Dilemma herauskäme. Der Souverän soll nicht mehr durch Parteien repräsentativ vertreten sein, sondern durch, wie Schöffen oder Geschworene, ausgeloste Bürger, welche als Politiker auf Zeit die Probleme des Staates lösen sollen. In der Regierung könnten dann sachlich kompetente Experten sitzen, ganz im Sinne der Gewaltenteilung. Wenn es zu keiner radikalen Änderung der politischen Kultur kommt bei der der Wähler vermehrt direktdemokratisch und mündig eingebunden wird, dann hat der Philosoph Taghizadegan recht, wenn er schreibt: „Die moderne Religion der Demokratie läuft so Gefahr das wahre Opium der Massen zu sein. Wer sich ohne jede Voraussetzung als Bürger wähnen darf, wessen Dummheit man Meinungspluralität und wessen Feigheit man Wahlgeheimnis nennt, wessen Neid man Anspruch tauft und wessen Laster gutes Recht, den kann man in jede Sklaverei einlullen, solange man ihm seine Bequemlichkeit lässt.“

Einfach wird der künftig notwendige Informationsprozess nicht sein, denn es gilt, unbeliebte und auch harte Maßnahmen verständlich als neues Denken zu kommunizieren und die positiven Folgen hervorzuheben. Das Märchen vom ewigen Wachstum endet letal, wenn nicht die Geburtenkontrolle das Wachstum der Bevölkerung eindämmt und wenn es nicht gelingt Wohlstand auch ohne Wachstum zu erreichen. Diesen quantitativen Maßnahmen müssen qualitative Prozesse begleitend folgen – denn sonst wird das Schlusswort von Stephen Emmott Realität: „Wenn wir eine globale Katastrophe verhindern wollen, müssen wir irgendetwas Radikales tun – und ich meine wirklich tun. Aber ich glaube nicht, dass wir das machen werde. Ich glaube wir sind nicht mehr zu retten.“

http://www.youtube.com/watch?v=pan7QbDK0Do

http://www.youtube.com/watch?v=5eO681rrVd8